Aktuell

Liebe Leserinnen und Leser,

für künftige Themenhefte dieser Zeitschrift haben wir einen Call for Articles veröffentlicht (auf Deutsch und Englisch). Gesucht sind Konzepte und Ideen von Herausgeber:innen-Teams, die in Zusammenarbeit mit der Redaktion ein Heft gestalten möchten. Einsendeschluss für aussagekräftige Exposés ist der 15. Mai 2023.

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Unser Themenheft Männlichkeiten (ZF 3/2021) ist bei H-Soz-Kult rezensiert worden (von Daniel Gerster, 24. Januar 2023, siehe hier).

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Am 8. Januar 2023 wäre der in Berlin geborene, während der NS-Zeit mit seiner Familie in die USA emigrierte Joseph Weizenbaum (1923–2008) 100 Jahre alt geworden. Als Informatiker am MIT und zugleich als Kritiker bestimmter Computerisierungs-Utopien fand er seit den 1960er-Jahren eine große Aufmerksamkeit. In unserer Rubrik »Neu gelesen« bezeichnet Philipp Sarasin Weizenbaums Buch »Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft« (1976/78) indes als »schlecht gealtert«. Weizenbaums eigene Stimme ist zu hören in einem längeren Interview des RIAS von 1985, das bei Deutschlandfunk Kultur aus Anlass des 100. Geburtstages wiederholt wurde.

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Christoph Stölzl, von 1987 bis 1999 Gründungsdirektor des Deutschen Historischen Museums, ist am 10. Januar 2023 im Alter von 78 Jahren verstorben. Einen seiner pointierten Essays haben wir vor einigen Jahren als digitalen Reprint veröffentlicht: »Kann man Geschichte ausstellen?« (zuerst 1998 erschienen).

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Rüdiger Graf, Redaktionsmitglied dieser Zeitschrift, organisiert die Online-Diskussionsreihe »Geschichtliche Grundfragen«.
Die nächste Veranstaltung gibt es am 6. Februar 2023:
»Wie bestimmt die Distanz zum Untersuchungsgegenstand den Forschungsprozess?«.

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Neues aus der Redaktion: Stefanie Middendorf hat die Redaktion zum Jahreswechsel 2022/23 verlassen. Wir danken ihr sehr herzlich für die ausgezeichnete Zusammenarbeit in den vergangenen fünf Jahren und begrüßen als neues Redaktionsmitglied Veronika Settele.

Nina Verheyen, Mitherausgeberin der Themenhefte »Männlichkeiten« (ZF 3/2021) und »Der Wert der Dinge« (ZF 3/2016), hat seit Oktober 2022 eine Vertretungsprofessur an der Freien Universität Berlin inne.

Christiane Reinecke, ebenfalls Redaktionsmitglied und seit September 2021 Professorin für Neuere und Neueste Europäische Geschichte an der Europa-Universität Flensburg, ist Mitherausgeberin des neuen »Inventars der Migrationsbegriffe« (im Aufbau; eine parallele Buchfassung ist für Mai 2023 angekündigt). Beiträge der »Zeithistorischen Forschungen« zum Themenfeld Migration gibt es hier.

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Zum Krieg gegen die Ukraine verweisen wir auf die aktuellen Texte und Materialien bei zeitgeschichte | online und H-Soz-Kult.
Möge dieser entsetzliche Krieg so bald wie möglich enden!

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Unser aktuelles Themenheft (ZF 2/2022) ist der Disability History gewidmet: Erst in jüngerer Zeit berücksichtigt die zeithistorische Forschung ansatzweise auch die Strukturkategorie Behinderung, deren intersektionale Überschneidungen und die Geschichte von Menschen, die mit Behinderungen oder chronischen Krankheiten leben. Charakteristisch sind die aktivistischen Ursprünge des Forschungsfeldes, denen viele Historiker:innen weiterhin folgen, doch ist die Disability History im Grunde anschlussfähig an alle Teilbereiche und Zugänge der Geschichtswissenschaft. Sie kann das Spektrum historiographischer Ansätze erweitern, als Korrektiv bisheriger Meistererzählungen über die soziokulturellen Dynamiken der jüngeren Vergangenheit dienen und sowohl Teil-Geschichte sein als auch ein neuer umfassender Zugang zur Erforschung historischer Gesellschaften und Kulturen. Bei allen Kontroversen über die heuristische Reichweite dieses Begriffs wird »Behinderung« als kontingent und historisch verstanden. Die Geschichtswissenschaft als gesellschaftliche Reflexionsinstanz hat zudem die Aufgabe, gerade auch das System Wissenschaft in den Blick zu nehmen, das nicht nur zahlreiche Exklusionsmechanismen aufweist, sondern auch maßgeblich an der Definition und Konstitution von Behinderung beteiligt ist.

Die Beiträge des Themenheftes beleuchten das Innovationspotential der Disability History teils anhand empirischer Beispiele, teils auf theoretischer Ebene. In Fallstudien geht es etwa um den Aktivismus gehörloser Industriearbeiter:innen der 1930er-Jahre in der UdSSR, um Wohnen, Arbeit und Urlaub von Menschen mit Behinderungen in der DDR sowie um Rollstühle als materielle Quellen für eine Zeitgeschichte der Mensch-Ding-Beziehungen. In theoretisch-methodischer Hinsicht werden unter anderem die Möglichkeiten einer intersektionalen Disability History und die gleichsam umgedrehte Perspektive einer Critical Ability History diskutiert.

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Der Verein der Freunde und Förderer des ZZF Potsdam vergibt seit 2017 jährlich den Zeitgeschichte-digital-Preis. Ausgezeichnet werden die besten Beiträge, die im jeweils vorangegangenen Kalenderjahr in den Online-Portalen des ZZF veröffentlicht wurden. Die Preisverleihung für besonders herausragende Beiträge des Jahres 2021 fand am 24. November 2022 statt (in Potsdam und mit Livestream); die Nominierungen und das Programm der Veranstaltung finden sich hier. Geehrt wurden diesmal Rüdiger Bergien, Sophie Genske und Juliane Röleke für ihre Beiträge bei Docupedia-Zeitgeschichte und zeitgeschichte | online. Fotos und eine Pressemitteilung gibt es hier. Herzlichen Glückwunsch!
Informationen zu den früheren Preisverleihungen sind hier zusammengestellt.

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Seit mehreren Jahren veranstaltet das Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam in wechselnder Besetzung das Historische Quartett. Am 10. Oktober 2022 fand die Diskussion erstmals im Literaturforum des Brecht-Hauses in Berlin statt. Aus der Redaktion der »Zeithistorischen Forschungen« beteiligten sich Christine Bartlitz und Jan-Holger Kirsch am Podium; zusammen mit Jutta Braun und Bernd Greiner diskutierten sie vier aktuelle Bücher. Wer die Veranstaltung verpasst hat, kann die Aufzeichnung des Livestreams hier ansehen.

Die nächsten Quartett-Termine sind geplant für den 24. April 2023 (mit Jutta Braun, Annette Schuhmann, Helen Thein-Peitsch, Annette Vowinckel) und für den 16. Oktober 2023 (mit Christine Bartlitz, Bernd Greiner, Jan-Holger Kirsch, Nina Verheyen).

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Seit Gründung der »Zeithistorischen Forschungen« (2003/04) gehört Michael Wildt unserem Beirat an und hat immer wieder in dieser Zeitschrift veröffentlicht. Am 10. November 2022 hat er den renommierten Preis des Historischen Kollegs erhalten. Sehr herzlichen Glückwunsch!

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Für Deutschlandfunk Kultur hat Winfried Sträter ein Interview mit Frank Biess geführt – über die Ergebnisse und Thesen seines Aufsatzes zu Günter Wallraffs Buch »Ganz unten« (1985).

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Zu seinem Aufsatz »Islamist Masculinity in Turkey, 1950–2000« im Themenheft »Männlichkeiten« (ZF 3/2021) wurde Jan-Markus Vömel im Podcast Turkey Book Talk interviewt.

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Mit der Eröffnung des Ethnologischen Museums Mitte September 2022 ist das Ausstellungsensemble des Berliner Humboldt-Forums nun vollständig. Die konzeptionellen Schwierigkeiten sind weiter in der Diskussion. Wie die Dilemmata eines »strategischen Kosmopolitanismus« schon die Planungsphase bestimmten, hat Daniel Morat 2019 prägnant erläutert.

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Passend zum 53. Deutschen Historikertag ist in der Podcast-Reihe des ZZF Anfang Oktober 2021 ein neuer Beitrag ins Netz gekommen (Folge 7): »Zeitgeschichte digital über das Forschen und Publizieren im Internet«. Tim Schleinitz hat die Redakteur:innen der Online-Portale des ZZF, Christine Bartlitz, Annette Schuhmann und Jan-Holger Kirsch, zu ihren Erfahrungen mit dem digitalen Publizieren und zu ihren Ideen für die Weiterentwicklung der Publikationsformate befragt.

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In der erweiterten Suche können Sie nicht nur jeweils einzeln nach bestimmten Autorinnen und Autoren, nach Stichworten oder Themen recherchieren, sondern können thematische, geographische und chronologische Suchkriterien auch miteinander verknüpfen. Ebenfalls möglich ist natürlich die Suche nach Heften im Archiv und die Suche in einzelnen Registern (Autoren-, Rubriken-, Schlagwortregister). Für die Rubrik »Neu gelesen« gibt es ein eigenes detailliertes Register.

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Ergänzend zu den Originalbeiträgen der »Zeithistorischen Forschungen« bieten wir inzwischen rund 300 »digitale Reprints« an (thematisch passende Aufsätze oder Buchkapitel, die anderswo erschienen sind). Auf dem Dokumentenserver des Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung sind diese Texte übersichtlich nachgewiesen, sortiert nach Themen und Ausgaben. Siehe hier.

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Am 24. September 1996 starb die Frankfurter Fotografin Abisag Tüllmann. Seit Oktober 2020 ist ihr beeindruckendes Werk auf einer Website zugänglich, die die bpk-Bildagentur der Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit Unterstützung der Abisag Tüllmann Stiftung aufgebaut hat. Den Leserinnen und Lesern der »Zeithistorischen Forschungen« ist Abisag Tüllmann nicht unbekannt: Wir haben bereits mehrfach Fotos von ihr verwendet, unter anderem für die Cover von Heft 3/2016 (»Der Wert der Dinge«) und Heft 2/2011 (»Politik und Kultur des Klangs im 20. Jahrhundert«). Auch im Heft 3/2021 (»Männlichkeiten«) finden sich mehrere Fotos von ihr.

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Zum 50. Jahrestag der Ereignisse von 1968 und der 68er-Bewegung haben wir unsere Bibliographie neuerer Literatur zu diesem Themenkomplex mehrfach aktualisiert (Stand 28. Oktober 2019, Publikationsjahre 20052019). Die inzwischen 50-seitige Materialsammlung umfasst neben einschlägigen Büchern auch Nachweise von Rezensionen aus Zeitungen und Fachzeitschriften.

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Der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD) sowie die Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM) haben gemeinsam ein Gutachten zur Nutzung audiovisueller Zeugnisse in der Wissenschaft und den damit verbundenen Urheberrechtsfragen in Auftrag gegeben, das im September 2015 veröffentlicht wurde. Es enthält eine ausführliche Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Situation und ihrer Probleme; gefordert wird die Einführung einer allgemeinen, an den praktischen Bedürfnissen von Forschung und Lehre orientierten Wissenschaftsschranke.

Das Gutachten kann bei der Orientierung in vielen Fragen helfen, die sich auch der Redaktion und den Autorinnen und Autoren dieser Zeitschrift immer wieder stellen. Vor allem aber ist zu hoffen, daß es weite Verbreitung findet, eine Grundlage für weitere Diskussionen liefert und letztlich zu Verbesserungen der gesetzlichen Vorgaben führt.

Mit besten Grüßen der Redaktion und der Herausgeber
Jan-Holger Kirsch