Nostalgie als historisches Zeit-Wort


  1. Die Mehrdeutigkeit des Nostalgiebegriffs
  2. Die Aussagekraft des Nostalgiebegriffs
  3. Nostalgie als analytischer Begriff
  4. Nostalgie und Rechtspopulismus

Anmerkungen

1. Die Mehrdeutigkeit des Nostalgiebegriffs

Neuzeitliche Kunstwörter entbehren häufig der Anschaulichkeit und semantischen Eindeutigkeit. Was genau unter gegenwartsbezogenen Kreuz- und Kofferwörtern wie »Bionik«, »Glokalisierung« oder »Stagflation« zu verstehen ist, bleibt im allgemeinen Sprachgebrauch diffus, und nicht anders ergeht es fachsprachlichen Neologismen wie »Demokratur« oder »autolitär« in der Zeitgeschichte. Diese Feststellung gilt in noch höherem Maße für Wortschöpfungen an der Schwelle zur Moderne, die erst nach Auswanderung aus ihrem Fachkontext sprachliche Popularität gewannen, während ihre Ursprungsverwendung sich wieder verlor: Mit Monomanie, Neurasthenie und auch Nostalgie werden in der Medizin pathologische Phänomene im Grenz­bereich von Gesundheit und Krankheit bezeichnet, die erst durch die Sprachschöpfung als Krankheit konstituiert wurden und heute als »vergängliche Krankheitskonzepte« gelten,1 stattdessen aber zeitweilig oder dauerhaft Eingang in die Alltagssprache fanden.

Entsprechend vielschichtig ist der Nostalgiebegriff sprachgeschichtlich besetzt, der nach verbreiteter Auffassung erst an der Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert seinen in der Frühneuzeit zunächst räumlichen Bezug als Leiden aus »unaußsprechlicher Begierde nach dem Vatterland«2 gegen einen zeitlichen tauschte. Noch Goethe erinnerte sich 1823 gesprächsweise daran, dass während der Herrschaft Ludwigs XIV. »unter den schwersten Strafen das Blasen einer Schalmei verboten worden [sei], weil in den Schweizerregimentern die Leute dadurch zu sehr an ihre Heimat erinnert wurden, und viele an Heimweh dahinstarben«.3 Im 20. Jahrhundert wanderte die Nostalgie oder auch Nostramania aus der medizinischen Sprache aus und machte nach zunächst randständiger Verwendung in Großbritannien seit den 1960er-Jahren und in Deutschland seit Beginn der 1970er-Jahre Karriere als Sehnsuchtswort einer zweifelnden Moderne, die sich nach den Jahren des Wiederaufbaus in der Zukunft und in ihrer Fortschrittsutopie nicht mehr zu Hause fühlte. Eine allgemeine »Kulturstimmung Nostalgie« konstatierte der »Spiegel« 1979 besorgt,4 während die gelenkte DDR-Publizistik das »zur modischen Nostalgie-Welle aufgebauschte« Heimweh nach dem Vergangenen zur »rückwärtsgewandte[n] ›Ersatzrealität‹« erklärte, deren »von den Schönfärbern des Kapitals zugedachte[r] Sinn« darin bestehe, »die Wirklichkeit mit einem nostalgischen Traumland zu überschwemmen«.5

Doch nur wenige Jahre später verlor in der Bundesrepublik wie in der DDR die zunächst als vorübergehende Modeerscheinung bewertete und pathologisierte »Nostalgie-Welle« bis zu einem gewissen Grad ihre negativen Attribute. Stattdessen etablierte sich in den 1980er-Jahren westlich wie östlich der Elbe ein eher unaufgeregter Umgang mit dem Nostalgiebegriff, der gleichwohl seine spöttisch-abwertende Konnotation nie ganz verlor.6 Unter dem elegischen Titel »Rizzoli, Via Veneto und Nostalgie« setzte das »Neue Deutschland« 1980 der Abwanderung der berühmten Buchhandlung aus dem intellektuellen Zentrum Roms ein Denkmal;7 von der »Nostalgie auf dem Rasen« schwärmte der ostdeutsche Zeitungsreporter, der bei der Fußballweltmeisterschaft 1982 in Spanien ein Altherrenmatch früherer Weltmeister beobachtete;8 »einen Hauch von Nostalgie und Romantik, wo immer sie erscheint«, sah der Kulturredakteur der »Berliner Zeitung« im August 1989 bei einer fahrenden Schauspieltruppe, deren Vorstellungen stets ausverkauft seien.9

Diese begriffliche Doppelgesichtigkeit setzte sich auch nach 1990 fort, wie sich besonders an der öffentlichen Auseinandersetzung über den künftigen Platz der vergangenen DDR zeigte. Unter dem Stichwort »Nostalgie« spielte die »Neue Zeit« 1991 das Gefallen an der Idylle einer eingeschlossenen Zeit ebenso wie die Gefahr einer geschichtsvergessenen Wehmut durch: »Was waren das noch für Zeiten, als wir uns noch keinen Kopf zu machen brauchten, wo wir unseren Urlaub verbringen, sondern uns nur in die Bewerberschar um die FDGB- und Betriebsferienheime in Tabarz oder Binz einzureihen brauchten.« Für die andere Seite zitierte das Blatt den ostdeutschen Politiker Wolfgang Thierse, der vor einer »wachsende[n] DDR-Nostalgie« warnte, die die »Schrecken der SED-Herrschaft« in den Hintergrund treten lasse. Am Ende zog die Zeitung ein ausgleichendes Fazit, das die Nostalgie für eine lässliche Sünde erklärte: »Nostalgie lebt in der Regel von überkommenem Zierat – und hakt die Zeit als – glücklicherweise – unwiederbringlich ab.«10 Noch versöhnlicher nutzte die Publizistik am Übergang vom 20. zum 21. Jahrhundert das Wortspiel von Ostalgie und Westalgie, um etwa den Hauptstadtumzug von Bonn nach Berlin aus der Perspektive deutscher Bundesbeamter zu charakterisieren;11 und erst recht in der unmittelbaren Gegenwart ist das im 17. Jahrhundert als Krankheitsbezeichnung geschöpfte Kunstwort Nostalgie zu einem Allerweltsausdruck geworden, der seither überwiegend eine eher harmlose Vorliebe mit einem Anflug von Schrulligkeit zu fassen versucht.

Die willkürlich gegriffenen Beispiele veranschaulichen zugleich eine durchgehende Übereinstimmung im Gebrauch des Wortes, die auf seine medizingeschichtliche Herkunft verweist: Es wird in der Regel als Fremdzuschreibung und nicht als Selbstbezeichnung eingesetzt. Nostalgie stellt kein Identitätskonzept bereit, sondern umschreibt eine Außensicht, die abwehrend oder zugewandt ausfallen kann, aber nur selten inklusiv – der Nostalgie frönen überwiegend die anderen. Dies verbindet den Verwendungskontext der Nostalgie mit dem aus ihr abgeleiteten Kunstwort Ostalgie, das zum einen in engem Zusammenhang mit dem Konzept der Ostidentität »kollektive Bindungen an wie Orientierungen auf die teilnationale Einheit der neuen Bundesländer [...] nach dem Modell ›Wir‹« umfassen kann, ebenso aber auch eine seltsame Sehnsucht der aus der DDR-Diktatur Befreiten zu ihrem früheren Gefängnis anprangern soll.12 Die Frage ist, wie sich ein derart mehrdeutiger und polemisch gebrauchter Terminus in der historischen Analyse erkenntnisfördernd einsetzen lässt.

2. Die Aussagekraft des Nostalgiebegriffs

Wie der Terminus »Authentizität« verweist auch »Nostalgie« in geschichtswissenschaftlicher Perspektive nicht auf einen nachprüfbaren Sachverhalt, sondern auf eine soziale Beziehung, die nicht weniger über den Beobachter aussagt als über den Beobachteten und deswegen der Objektivierbarkeit ermangelt; nicht ohne Grund enthält sich auch die Einleitung zu diesem Heft einer eigenen Gewichtung der unterschiedlichen Konzeptualisierungen des Begriffs. »Nostalgie« ist ein Zuschreibungswort, das sich allerdings anders als »Authentizität« allein auf Menschen richtet und nicht auch auf Dinge. Eben hieraus ergibt sich zugleich das unmittelbare Erkenntnispotential des Terminus – so unscharf er sich als Forschungsbegriff präsentiert, so aussagekräftig ist er als Quellenbegriff. Auf seinen wandelbaren semantischen Gebrauchskontext hin befragt, macht seine polysemische Aneignungsfähigkeit das Wort zu einem aufschlussreichen Marker, um die innere Verfassung und den historischen Wandel des Umgangs mit der Vergangenheit im 20. und 21. Jahrhundert zu erschließen.

Die Rede von der Nostalgie umschreibt ein Gefühl, das mit dem Ende der Trente Glorieuses in Verbindung steht und den Übergang in eine Zeit »nach dem Boom« begleitet, wie sich exemplarisch am Sprachwandel im »Spiegel« zeigen lässt, der in seinem Gesamtbestand seit 1947 bis heute bequem digital durchsuchbar ist. Als »Heimweh nach dem Dreck« übersetzte das Nachrichtenmagazin den aus dem Französischen entlehnten Ausdruck »Nostalgie de la boue« in seiner ersten Wortverwendung 1959, um einen neuen Trend der Londoner Salonkomödie zu identifizieren.13 Ein halbes Jahrzehnt später erläuterte das Blatt seinen Lesern den dort in den 1960er-Jahren insgesamt siebenmal auftauchenden Terminus in einer Anmerkung noch ganz im Kontext des ursprünglichen Krankheitsdiskurses, um die Seelenlage italienischer Arbeitsmigranten zu beschreiben.14

Im Folgejahrzehnt wurde »Nostalgie« seit 1973 mit 280 Verwendungen im »Spiegel« zu einem häufig benutzten Schlagwort, aber dann zugleich mit scharf abwertender Konnotation aufgeladen. Als eine »nostalgische Kombination von elitärer Kultur und barbarischer Erotik« attackierte das Nachrichtenmagazin 1975 die jüngeren Filmproduktionen von Regisseuren wie Pasolini, Visconti und Bertolucci, deren »dekadente[r] Nostalgie-Look« als irrlichternde Abkehr des Films von der wirkungslosen Politisierung zum blanken Ästhetizismus zu interpretieren sei und überdies den Faschismus nicht nur relativiere, sondern geradezu rehabilitiere.15 Hinter dieser aggressiven Wendung gegen die »wohlige Nostalgie« und die »intellektuelle Neigung für die Reflexion des Musealen« stand eine Denkhaltung, welche die »Gunst fürs Gestern«16 im Geiste des vorherrschenden Fortschrittsdenkens als mutlosen Abschied von der Zukunft begriff.17 Nostalgie markierte in dieser Sicht das beklagenswerte Ende des linken Marsches der 68er-Bewegung und der Hoffnung auf eine Änderung der gesellschaftlichen Verhältnisse: »Es hat den Anschein, als sei die Nostalgie das Erbe einer jeden Welle von Aktivismus«, zitierte der »Spiegel« zustimmend den Schriftsteller Gerhard Zwerenz und resümierte: »Was bleibt, stiften die Nostalgiker: eine Stimmung des Scheiterns, des Unglaubens an Zukunft, und – so Max Horkheimer, Mitbegründer der linken Frankfurter Schule – ›eine gewisse Verzweiflung: Die ehemals radikalen Neinsager blicken mit Sehnsucht zurück auf das, was nicht mehr da ist‹.«18

Es nimmt nicht wunder, dass im Bannkreis dieses West und Ost zu der Zeit noch verbindenden Fortschrittsdenkens die kritische Distanzierung der DDR-Publizistik von der Rückbesinnung auf die Vergangenheit kaum anders ausfiel. »Nostalgie ist historisch drapierte Flucht vor der gesellschaftlichen Verantwortung und sentimental verschleierte Kapitulation vor den Aufgaben der Gegenwart und Zukunft«, befand das »Neue Deutschland« 1974,19 und im selben Sinne waren die wenigen anderen Bezugnahmen auf den ganz im Westen verorteten Nostalgietrend gehalten. »Das Suchen nach Antworten auf die drückenden Probleme der Gegenwart soll nicht aus der Zukunft schöpfen, sondern sich in einem Zurückdenken in die Vergangenheit erschöpfen«, erläuterte die »Berliner Zeitung« 1974 ihren Lesern die Gefahren der Nostalgie, auch wenn sie als Autoritätsbeweis statt der Kritischen Theorie Horkheimers die Marx-Interpretation Lenins heranzog, um vor den »tönenden Phrasen der Nostalgie-Welle« zu warnen: »Denn der Schaden, den sie verursachen können, ist nicht gering, ›wenn durch den ›bestrickenden‹ Ausdruck aus einer überholten Vergangenheit die Aufgaben der Zukunft verdeckt werden‹ (Lenin).«20 Als ein Wort, das sich »keinesfalls mühelos in unseren Sprachgebrauch einreihen« lasse,21 blieb dem Nostalgiebegriff in der Folgezeit erst recht der Einlass in den Wissenschaftsdiskurs gänzlich verwehrt.

In der Bundesrepublik hingegen sorgten sich im Einklang mit der Publizistik auch die Geisteswissenschaften der 1970er- und 1980er-Jahre vor einer »Rückwärtssehnsucht«, die nur einer »gefühligen Restituierung des Gestern« diene22 und in Gestalt der »Hitler-Nostalgie« sogar die »Realität des Faschismus« verharmlose.23 Allenfalls konservative Beobachter wie Hermann Lübbe gestanden der »entlastenden Vorgestrig­keit«24 eine legitime Rolle als »Kompensation eines änderungstempobedingten kulturellen Vertrautheitsschwundes« zu.25 Besonders hart ging die gesellschaftsgeschichtlich ausgerichtete Historiographie mit der aufkommenden Sehnsucht nach der Vergangenheit um, die als neues régime d’historicité im Sinne von François Hartog die Zukunftsorientierung des Fortschrittszeitalters abzulösen sich anschickte. Vor diesem Hintergrund sprach Jürgen Kocka dieser Bewegung die historische Erschließungskraft rundweg ab und befand: »Und was ist die immer noch nicht abklingende Nostalgie-Welle, die sich ja nicht hinreichend aus ihrer kommerziellen Verwertbarkeit erklärt, anderes als eine gewisse Verliebtheit in alte Zeiten, ein oft naives, manchmal narzißtisch gepflegtes, begriffsloses und vorkritisches historisches Interesse?«26

3. Nostalgie als analytischer Begriff

Erst im Rückblick tritt das zeitbefangene Missverständnis in dieser Kritik an der »süßen Krankheit Gestern« (Uwe Tellkamp) und ihrer oft diagnostizierten Erinnerungsseligkeit hervor. Das als Nostalgie gefasste Phänomen einer machtvoll aufkommenden Rück-Sicht auf die Vergangenheit markierte das sich ankündigende Ende des Fortschrittszeitalters und seines zukunftsorientierten Zeitbewusstseins. Aber es bedeutete mitnichten eine Flucht vor der Gegenwart in die Vergangenheit auf dem Wege einer »dysfunktionalen Erinnerung«,27 wie sie etwa Bundespräsident Joachim Gauck 2009 zum Jahrestag des Juniaufstandes von 1953 als eine Erinnerungsform anprangerte, »die ohne Schmerz auskommt, ohne Scham, ohne Trauer und ohne Reue«.28 Mit dem zunächst als kitschige Nostalgie verkannten Paradigmenwechsel gewann vielmehr die Bewahrung und Rückgewinnung der bedrohten Vergangenheit einen Eigenwert, der sich immer machtvoller gegen die alten Hoffnungswörter der Stadtplanung wie »autogerechte Verkehrslenkung« oder »umfassende Stadtsanierung« zu behaupten wusste, aber keineswegs die reaktionäre Rückwärtsbewegung vollzog, die ihm im Geiste des Fortschrittsdenkens zugemessen wurde. Es war dieses Empfinden, das bereits 1964 Elisabeth Niggemeyer und Wolf Jobst Siedler ihren melancholischen »Abgesang auf Putte und Strasse, Platz und Baum« unter den Obertitel »Die gemordete Stadt« stellen ließ. Die vermeintliche Leere der »sentimentale[n] Beschwörung vergangenen Glücks«29 schuf tatsächlich den Raum für ein gewandeltes Geschichtsbewusstsein, das in den folgenden Jahren mit der Oral History, der Alltagsgeschichte und der Zeitzeugenbewegung, aber auch in der Fokusverschiebung von der Struktur zur Agency neue Felder der Vergangenheitsaneignung erschloss und statt der verklärenden Versenkung in ein heiles Gestern die kritische Aufklärung der oft unheilvollen Vergangenheit betrieb.

Annäherndes Erinnern auf der einen Seite und distanzierendes Lernen auf der anderen sind in der Geschichtskultur der Gegenwart aufeinander bezogen. Sie verbinden den Wunsch nach Vergangenheitsüberwindung durch moralische, wissenschaftliche und politische Befreiung mit der Sehnsucht nach einer Vergangenheitsvergewisserung, die die Nähe zum Gestern als identitätsstiftende Geborgenheit erfährt. Es ist gerade die Versöhnung von kritischer Aufarbeitung und vermeintlich authentischer Erinnerung, die den Geschichtsboom unserer Zeit erklärt und ihm seine fast zivilreligiöse Kraft verleiht: In der möglichst unmittelbaren Begegnung mit einer Vergangenheit, die weder zurückgewünscht wird noch vergessen sein soll, kommen Last und Lust der Vergangenheit zusammen, und eben dies erklärt die erstaunliche Karriere des Memory Booms in unserer Zeit.

Zur Kennzeichnung dieser Bewegung kann ein präzise definierter und von pejorativen wie idyllisierenden Konnotationen befreiter Nostalgiebegriff durchaus von Nutzen sein: Er taugt zur Beschreibung einer historischen Sehnsucht, die sich zugleich der Unwiederbringlichkeit der Vergangenheit bewusst ist. Gerade darin unterscheidet sich die Nostalgie des 20. und 21. Jahrhunderts von der Renaissance am Ausgang des Mittelalters und von restaurativen Strömungen der Neuzeit, die den Glauben an die Rückkehr zur Vergangenheit zum politischen Programm machten. Anders die Nostalgie: Gleichviel, ob im Engagement für die Rettung historischer Bauten oder in der Nachstellung überkommener Bräuche und einstiger Schlachten, ob im Einsatz für den Erhalt von städtischen Gaslaternen oder für die Rettung von kriegsbeschädigten Hausfassaden, selbst in den organisierten Vertriebenenreisen in die verlorene Heimat im Osten – immer geht es um die Nähe zu einer Vergangenheit, deren Uneinholbarkeit vorausgesetzt ist und die als eine »anwesende Abwesenheit« konfiguriert wird.30 Nur aus der Gewissheit, dass das »authentischste« Erleben keine Wiedergeburt bedeutet, erklärt sich die Faszination für Dokudramen und Re-enactments, für historische Jubiläen und Fernsehspiele. Immer geht es um eine Vergangenheit, die intensiv nachempfunden, jedoch nicht abermals durchgemacht werden will31 – eben dies unterscheidet die heutige Wortbedeutung der Nostalgie von dem durch Heimkehr kurierbaren Heimweh des 18. Jahrhunderts.

4. Nostalgie und Rechtspopulismus

Aus diesem Grund geht die Vermutung eines inneren Konnexes zwischen Nostalgie und Rechtsextremismus bzw. Rechtspopulismus fehl – der Nostalgie im oben verstandenen Sinne ermangelt der Impetus des politischen Handelns, das auf restaurative Angleichung der Zukunft an die Vergangenheit setzt. Nostalgie und Aufklärung stehen daher keineswegs in grundsätzlicher Opposition zueinander. Zum Ausloten ihrer Beziehung ist vielmehr ein fachlich definierter Nostalgiebegriff vonnöten, der auf den Gegensatz zwischen Vergangenheit als kulturellem Erinnerungswert und Vergangenheit als politischem Handlungsziel abhebt.

Der bis heute anhaltende Geschichtsboom trägt gewiss nostalgische Züge. Doch schon sein Auftakt mit der Stuttgarter Staufer-Ausstellung 1977 und der Berliner Preußen-Ausstellung 1981 entsprach einem anschwellenden Interesse an der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, nicht einem Willen zu ihrer Wiedererweckung. Fraglos bedient sich auch die Neue Rechte nostalgisch besetzbarer Versatzstücke wie Tradition und Heimat. Aber selbst Kritiker des Heimatbegriffs konzedieren, dass ihn erst die politische Besetzung zu einer ideologischen Waffe macht.32 Der Raum der Erinnerung lässt sich sehr unterschiedlich füllen, und die aggressive Heimatbesetzung der bundesdeutschen Vertriebenenverbände in den 1950er-Jahren verbindet wenig mit der sentimentalen Erinnerung, die heutige Heimwehtouristen in das Land ihrer Großeltern reisen lässt, um mit einem nostalgischen Blick Abschied zu nehmen, der sich im Sinne von Marion Dönhoff Trauer zugestehen kann, ohne Klage zu führen oder gar Revision zu wollen.33

Es wäre sachlich falsch und geschichtspolitisch unklug, diesen Unterschied nicht anzuerkennen und die nostalgische Bezugnahme auf Raum und Zeit mit der rechts­populistischen in einen Topf zu werfen. Wer sich gegen die grassierende Reinigung öffentlicher Räume von vordemokratischen Geschichtszeugnissen wendet, muss sich deswegen mit ihnen nicht identifizieren; und wer den Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche oder der Stadtschlösser von Berlin und Potsdam begrüßt, huldigt damit noch nicht dem Monarchismus oder der Vergangenheitsverdrängung – es ist gerade die emphatische Verbindung von erschauernder Nähe und gewusster Ferne, die den heutigen Umgang mit der Vergangenheit prägt. Deswegen greift der Vorwurf ins Leere, dass in den Worten des Architekturtheoretikers Philipp Oswalt unter vermeintlich unverfänglichen Begriffen wie Authentizität, Schönheit und Stadtreparatur eine nationalkonservative Sinnstiftung betrieben werde, die nicht selten geschichtsrevisionistische Züge annehme.34 Ganz im Gegenteil: Die besorgte Annahme, dass die Rekonstruktion historischer Bauten einen »bewussten[n] Bezug zu einer vermeintlich heileren Zeit« schaffe, um »den Verlauf der Geschichte vergessen zu machen« und »Schluss [zu] machen mit dem angeb­lichen ›Schuldkult‹«,35 verfehlt nicht nur ihren Gegenstand, sondern vergrößert vor allem die Gefahr, vor der sie warnen will.

Saxa non loquuntur – weder die Potsdamer Garnisonkirche noch die Frankfurter Altstadt sind als solche »rechte Räume«,36 sondern sie werden erst durch ihre kulturelle Besetzung dazu gemacht. Es geht »mehr um Fleisch als um Stein«, befand selbst der Architekturtheoretiker Stephan Trüby, der mit seiner These einer rechten Unterwanderung des Frankfurter Rekonstruktionsprojekts eine Debatte über »rechte Räume« ausgelöst und die Behauptung aufgestellt hatte, dass die Rekonstruktionsarchitektur »sich in Deutschland derzeit zu einem Schlüsselmedium der autoritären, völkischen, geschichtsrevisionistischen Rechten« entwickle.37 Mit der ihm in den Mund gelegten Behauptung konfrontiert, dass »Fachwerk faschistisch sein« könne, hielt er unzweideutig fest: »Sowenig [sic] wie es eine ›rechte‹ oder ›linke‹ Architektur gibt, so wenig gibt es auch eine ›faschistische‹ oder ›demokratische‹.«38 Die Debatte um die Toxizität der Nostalgie bewegt sich in den Bahnen des scholastischen Streits zwischen Nominalisten und Realisten. Über den – situativen oder dauerhaften – Charakter von Räumen entscheiden Aneignung und Wahrnehmung mehr als Stoff und Formen­sprache. Ob ein ostdeutscher Supermarktparkplatz oder der von Hans Kollhoff und Helga Timmermann entworfene Walter-Benjamin-Platz in Berlin rechte Orte bilden,39 bestimmen weniger »gewisse Zahlen- und Buchstabenkombinationen auf dem Nummernschild« parkender Autos40 oder ein enigmatisches Zitat des zwischen Genie und Wahnsinn schwankenden Poeten Ezra Pound41 als vielmehr in erster Linie das Denken und Handeln derjenigen, die diese Räume annehmen oder ablehnen und ihnen als Bewohner, Besucher und Betrachter ein Gepräge geben.

Der traditionsschwere Kyffhäuser im Thüringischen etwa, in dem die Sage Friedrich Barbarossa schlafen lässt, solange die Raben um den Berg krächzen, kündete im Lauf der Geschichte als »Reichsburg Kyffhausen« erst vom salischen und später staufischen Herrschaftsanspruch, dann als Kaiser-Wilhelm-Denkmal vom Nationalstolz des 1871 geeinten Deutschen Kaiserreiches, um nach 1918 zum Symbol des republikfeindlichen Nationalkonservativismus zu werden. Ist der Kyffhäuser darum ein »rechter Raum«, dessen Geländevorteile ganz bei der AfD liegen, die jedes Jahr ein »Kyffhäusertreffen« veranstaltet? Nein, das ist er nicht, sondern vielmehr der Austragungsort eines zähen und anhaltenden Bemächtigungsstreits zwischen dem Rechtspopulismus und einer demokratischen Werten verpflichteten Geschichtspolitik.

Markante Nationalmonumente wie das Kyffhäuser-Denkmal von 1896 oder das hier abgebildete Völkerschlachtdenkmal von 1913 werden immer wieder als Kulissen für geschichtspolitische Deutungskämpfe genutzt – mit durchaus unterschiedlichen Intentionen und Protestformen. (Wikimedia Commons, ¡0-8-15! Völkerschlachtdenkmal Leipzig, Anti-Nazi-Plakat 2, CC BY-SA 3.0; Foto vom 20. August 2011)
Markante Nationalmonumente wie das Kyffhäuser-Denkmal von 1896 oder das hier abgebildete Völkerschlachtdenkmal von 1913 werden immer wieder als Kulissen für geschichtspolitische Deutungskämpfe genutzt – mit durchaus unterschiedlichen Intentionen und Protestformen.
(Wikimedia Commons, ¡0-8-15!, Völkerschlachtdenkmal Leipzig, Anti-Nazi-Plakat 2, CC BY-SA 3.0; Foto vom 20. August 2011)

Deswegen liegen die Vorteile in der Auseinandersetzung um die Besetzung historischer Zeugnisse auch heute nicht bei der Neuen Rechten und ihren taktischen Vergangenheitsanleihen, sondern auf Seiten einer historisch gewachsenen kritischen Geschichtskultur, die den Wunsch nach Begegnung mit dem Gestern nicht als Hoffnung auf Rückkehr in vergangene Zeiten missversteht.


Anmerkungen:

1 Tobias-Jan Kohler, Krankheit und Begriff. Die Geschichte von pathologischen Neologismen am Beispiel von Nostalgie, Monomanie und Neurasthenie, Düsseldorf 2018.

2 Theodor Zwinger, Sicherer und Geschwinder Artzt – Oder Neues Artzney-Buch, 4. Aufl. Basel 1703, S. 692; zit. nach Kohler, Krankheit und Begriff (Anm. 1), S. 44.

3 Gustav Woldemar Freiherr von Biedermann (Hg.), Goethes Gespräche, Bd. 4: 1819–1823, Leipzig 1889, S. 258.

4 Heimat – unter grüner Flagge, in: Spiegel, 23.7.1979, S. 134-136, hier S. 135.

5 Dieter Krause, Nostalgie – statt weiterdenken. Über den Hintergrund eines bürgerlichen Modewortes, in: Berliner Zeitung, 10.11.1974.

6 »Nostalgie kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet Heimweh oder krankhafte Sehnsucht.« Harald Wessel, Geschichte oder Nostalgie, in: Neues Deutschland, 7.12.1974. Das Kompositum »wave of nostalgia« verwendete wohl zuerst Alvin Toffler, Future Shock, London 1970, S. 407. Vgl. Tobias Becker, Rückkehr der Geschichte? Die »Nostalgie-Welle« in den 1970er und 1980er Jahren, in: Fernando Esposito (Hg.), Zeitenwandel. Transformationen geschichtlicher Zeitlichkeit nach dem Boom, Göttingen 2017, S. 93-117, hier S. 94.

7 Helga Radmann, Rizzoli, Via Veneto und Nostalgie. Was sich hinter dem Umzug einer anspruchsvollen Buchhandlung in Rom verbirgt, in: Neues Deutschland, 27.2.1980.

8 Wolfgang Hempel, Nostalgie auf dem Rasen, in: Berliner Zeitung, 9.7.1982.

9 Thomas Melzer, Subtile Botschaften und Hit-Lorbeeren, in: Berliner Zeitung, 24.8.1989.

10 Nostalgie?, in: Neue Zeit, 15.6.1991.

11 »Seit dem Umzug der Politik vom Rhein an die Spree gibt es im wiedervereinten Deutschland nicht nur Ostalgie, sondern auch Westalgie.« Erich Böhme, Adieu, du Lust am Rhein, in: Spiegel, 14.12.1999 (Jahreschronik). Zur völligen »analytischen Unterbestimmtheit« des Terminus »Ostalgie«: Thomas Ahbe, Ostalgie als Laienpraxis. Einordnung, Bedingungen, Funktion, in: Berliner Debatte Initial 10 (1999) H. 3, S. 87-97, hier S. 87.

12 Patrick Moreau/Jürgen Lang, Was will die PDS?, Frankfurt a.M. 1994, S. 162. Vgl. auch Katja Neller, DDR-Nostalgie. Dimensionen der Orientierungen der Ostdeutschen gegenüber der ehemaligen DDR, ihre Ursachen und politischen Konnotationen, Wiesbaden 2006, S. 41ff.

13 Liebe, Schnupfen und Tod, in: Spiegel, 11.3.1959, S. 54-55, hier S. 55.

14 »Der Psychologie-Professor Dr. Charles Zwingmann hat bei den Ausländern sogar eine spezielle Art von Heimweh entdeckt, die ›Nostalgische Reaktion‹.« In der dazugehörigen Fußnote heißt es: »Nostalgie = Heimweh; besonders bei Jugendlichen häufig Ursache für Brandstiftung, Sexualverbrechen u.a.« Per Moneta, in: Spiegel, 7.10.1964, S. 44-58, hier S. 54.

15 »Die nostalgische Kino-Stimmung macht offensichtlich auch die Überwindung der ›Berührungsangst‹ gegenüber Faschismus und Nationalsozialismus zu einer bequemen bis delikaten Ablenkung, die oft in blinde Faszination, morbide Frivolität und zynische Vermarktung umschlägt.« Film: Was ist am Faschismus so sexy?, in: Spiegel, 17.2.1975, S. 121-126, hier S. 123.

16 »Wer ›in‹ ist, fühlt nostalgisch und weidet sich, wohlig vor melancholischer Konsumlust, am Heimweh nach den Nichtigkeiten und Wichtigkeiten einer verklärten Vergangenheit.« »Jene Sehnsucht nach den alten Tagen...«, in: Spiegel, 29.1.1973, S. 86-99, hier S. 87.

17 »[...] ihre Autoren leben nicht mehr in der Gegenwart und entscheiden sich für den Rückzug.« Film: Was ist am Faschismus so sexy? (Anm. 15), S. 126; Zitat aus »Le Monde«.

18 »Jene Sehnsucht nach den alten Tagen…« (Anm. 16), S. 99.

19 Wessel, Geschichte oder Nostalgie (Anm. 6).

20 Krause, Nostalgie – statt weiterdenken (Anm. 5) (Hervorhebung i.O.).

21 Ebd.

22 Volker Fischer, Nostalgie. Geschichte und Kultur als Trödelmarkt, Luzern 1980, S. 36, S. 75.

23 Ebd., S. 29, S. 32.

24 Hermann Lübbe, Zwischen Trend und Tradition. Überfordert uns die Gegenwart?, Zürich 1981, S. 13.

25 Ders., Die Zukunft der Erinnerung. Über Vergangenheitsvergegenwärtigung, in: Martin Sabrow (Hg.), Heilung durch Wahrheit, Leipzig 2002, S. 9-26, hier S. 17.

26 Jürgen Kocka, Gesellschaftliche Funktionen der Geschichtswissenschaft, in: Willi Oelmüller (Hg.), Wozu noch Geschichte?, München 1977, S. 11-33, hier S. 13.

27 Mariella C. Gronenthal, Nostalgie und Sozialismus. Emotionale Erinnerung in der deutschen und polnischen Gegenwartsliteratur, Bielefeld 2018, S. 8.

28 Joachim Gauck, Rede zur Gedenkveranstaltung 17. Juni 1953 am 17.6.2009, in: Joachim Klose (Hg.), Wie schmeckte die DDR? Wege zu einer Kultur des Erinnerns, Leipzig 2010, S. 470-477, hier S. 476.

29 »Jene Sehnsucht nach den alten Tagen...« (Anm. 16), S. 88; Zitat aus einem »Londoner Cinéastenblatt«.

30 Achim Landwehr, Die anwesende Abwesenheit der Vergangenheit. Essay zur Geschichtstheorie, Frankfurt a.M. 2016.

31 Dass »gerade ihre Unerfüllbarkeit Nostalgie und Authentizitätsstreben am Leben« hält, betont auch Tobias Becker, Nostalgie, in: Martin Sabrow/Achim Saupe (Hg.), Handbuch der Historischen Authentizität (i.Vb.).

32 »Wird Heimat zu einem politischen Begriff, wird es gefährlich, denn dann wird Heimat etwas, das durch die bedroht ist, die ein Zuhause suchen. [...] Wer Heimat zu einem politischen Begriff macht, teilt die Bevölkerung eines Landes in die auf, die dazugehören, und die, die im besten Fall Gäste und im schlimmsten Fall Feinde, aber auf jeden Fall Fremde sind.« Anatol Stefanowitsch, »Wir« und »die«, in: taz, 5.10.2017.

33 »Ich kann mir auch nicht vorstellen, daß der höchste Grad der Liebe zur Heimat dadurch dokumentiert wird, daß man sich in Haß verrennt gegen diejenigen, die sie in Besitz genommen haben, und daß man jene verleumdet, die einer Versöhnung zustimmen. Wenn ich an die Wälder und Seen Ostpreußens denke, an die weiten Wiesen und alten Alleen, dann bin ich sicher, daß sie noch genauso unvergleichlich schön sind wie damals, als sie mir Heimat waren. Vielleicht ist dies der höchste Grad der Liebe: zu lieben, ohne zu besitzen.« Marion Gräfin Dönhoff, Kindheit in Ostpreußen, Berlin (W) 1988, S. 221.

34 »Using supposedly innocuous terms such as ›authenticity,‹ ›beauty,‹ or ›repairing the city,‹ a nationalist-conservative identity is being created while adopting techniques of historical revisionism.« Philipp Oswalt, Building a National House, 21.1.2021, URL: <https://www.e-flux.com/architecture/monument/372745/building-a-national-house/>.

35 Nora Dünser u.a., Editorial, in: Nikolaus Kuhnert/Anh-Linh Ngo/Günther Uhlig (Hg.), Rechte Räume. Bericht einer Europareise, in: ARCH+. Zeitschrift für Architektur und Urbanistik 52 (Mai 2019), S. 1f., hier S. 1.

36 Stephan Trüby, Rechte Räume. Politische Essays und Gespräche, Basel 2020. Seine Argumentation forderte allerdings raschen Widerspruch heraus: »Dem Ideologievorwurf entgeht Architektur nirgends. [...] Was sie aussagt, unterliegt dem Wandel, der Zeiten wie der politischen Perspektive. Was genau, das liegt zuallererst im Auge des Betrachters.« Bernhard Schulz, Kein Bauwerk ist unschuldig. Der Architekturtheoretiker Stephan Trüby untersucht »Rechte Räume« auf ihren ideologischen Gehalt, in: Tagesspiegel, 10.5.2021 (im Internet mit dem Haupttitel »Gibt es rechte Architektur?«).

37 Stephan Trüby, Wir haben das Haus am rechten Fleck, in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 8.4.2018, S. 46; Ulf Poschardt, Fachwerk ist antifaschistisch, in: Welt, 4.5.2018; Dankwart Guratzsch, Ist Fachwerk faschistisch?, in: Welt, 23.4.2018; Ulrich Coenen, Forschung über »Rechte Räume«: Kann Fachwerk faschistisch sein?, in: Badische Neueste Nachrichten, 14.12.2020.

38 Stephan Trüby, Altstadt-Opium fürs Volk, in: Kuhnert/Ngo/Uhlig, Rechte Räume (Anm. 35), S. 160-167, hier S. 161. Tatsächlich vermochte die Architekturtheorie angesichts der heterogenen Stilvorlieben von Rechtsdiktaturen bislang auch nicht zu formulieren, wie »rechte Architektur« denn beschaffen sei: »Verschiedene populistische Regime bevorzugen verschiedene Architektur. Wenn man schaut, welchen Stil Erdogan, Putin oder Trump bevorzugen, ist man schnell bei barockisierenden Bauen und opulenten Interieurs. Dagegen sind die Diktaturen in Ostasien teilweise modernistisch geprägt, und in Italien waren es die Rationalisten, die Mussolini die Architektur bereitgestellt haben. Es gibt nicht den einen Ausdruck.« Welche Rolle spielt die Architektur beim Wiedererstarken des Rechts­populismus in Europa? Der Architekturtheoretiker Philipp Oswalt spricht im Interview über rechte Räume und die Garnisonskirche [sic!] in Potsdam als zentralen Identifikationsort von Rechtsextremisten, in: Monopol-Magazin, 27.6.2019.

39 Anna Yeboah, Blackout Berlin-Brandenburg. Die Rekonstruktionen der Potsdamer Garnisonkirche und des Berliner Stadtschlosses und andere Spatialisierungen des deutschen Kolonialismus, in: Kuhnert/Ngo/Uhlig, Rechte Räume (Anm. 35), S. 226-231; Verena Hartbaum, Rechts in der Mitte. Hans Kollhoffs CasaPound, in: ebd., S. 218-225.

40 Yeboah, Blackout Berlin-Brandenburg (Anm. 39), S. 226.

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