In diesem Beitrag wird rekonstruiert, wie die Community feministischer Therapeutinnen von den 1970er-Jahren bis in die späten 1990er-Jahre mit Konflikten, Ein- und Ausschlüssen umging. Hauptquellen der Untersuchung sind die Dokumentationen der jährlichen Frauentherapiekongresse, die für die Geschichtsschreibung sozialer Bewegungen reichhaltiges Material liefern. Die Diskurse in diesem Forum wurden seit der Zeit der bundesdeutschen Psychiatrie-Enquête von 1975 geführt, allerdings abseits des psychiatrischen Feldes im engeren Sinne. Ausgangspunkt war die feministische Psychiatriekritik an der Pathologisierung von Frauen. Dass sich neue Therapieformen entwickeln konnten, ist auch als Folge der Öffnung des psychiatrischen Feldes zu interpretieren: Für Frauen wurde es möglich, sich als Betroffene von sexistischer Diskriminierung zu begreifen und selbst aktiv zu werden. Die Entwicklung verlief jedoch keineswegs linear und war auch mit Verletzungen verbunden. Die Anerkennung lesbischer und/oder jüdischer Frauen, von Frauen mit Migrationsgeschichte und/oder Behinderung – also die Sensibilität für Mehrfachdiskriminierung – war im Kontext der Frauentherapiekongresse lange nicht selbstverständlich.


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›Working on Exclusionary Structures‹. Discourses on Multiple Discrimination and Feminist Therapy in West Germany Since the 1970s

This article examines how the community of feminist therapists in West Germany addressed conflicts, inclusions and exclusions from the 1970s to the late 1990s. The primary sources for this study are the proceedings of the annual women’s therapy conferences, which offer a wealth of material for the history of social movements. Discussions in this forum have been taking place since the 1975 German Psychiatric Enquiry, albeit outside the narrower field of psychiatry. The starting point was feminist criticism of the pathologisation of women in psychiatry. The development of new forms of therapy can also be interpreted as a consequence of the psychiatric field opening up: Women were able to recognise themselves as victims of sexist discrimination and take action. However, this development was not linear and was also accompanied by setbacks. The recognition of lesbian and/or Jewish women, of women with an immigration history and/or disabilities – that is, sensitivity to multiple discrimination – was by no means a given in the context of women’s therapy conferences for a long time.

Der Beitrag untersucht für die Bundesrepublik, wie es dazu kam, dass sich der Ansatz von Frauenhäusern und Notrufen in den 1980er-Jahren von der Selbsthilfe zu feministischer Sozialarbeit verschob und dass schließlich auch therapeutische Methoden einbezogen wurden. Dieser Wandel war, so die hier vertretene These, nicht nur der Institutionalisierung und Professionalisierung der Frauenprojekte geschuldet. Ein wichtiger Faktor war auch die aufkommende feministische Auseinandersetzung mit Traumatisierung als psychischer Folge von Gewalt. Anhand von Bewegungszeitschriften und Archivquellen wird nachgezeichnet, wie die Aktivistinnen vor dem Hintergrund ihrer Kritik an ignoranten Hilfestrukturen (der Psychiatrie, Psychotherapie, Soziale Hilfen etc.) und ihrem Selbsthilfeanspruch nicht-psychiatrisierende Erklärungen von psychischen Beeinträchtigungen gewaltbetroffener Frauen sowie alternative Hilfsangebote entwickelten. Damit trugen sie zu Verschiebungen der verflochtenen Normen von psychischer Gesundheit und Geschlecht und zur allmählichen Transformation des psychowissenschaftlichen Feldes bei.


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Between Self-Help and Feminist Social Work. How the West German Women’s Movement Addressed the Psychological Consequences of Violence in the 1980s

This article examines how the approach of women’s shelters and hotlines in the Federal Republic of Germany shifted in the 1980s from self-help to feminist social work, and how therapeutic methods were eventually incorporated. The argument is that this shift was not solely due to the institutionalisation and professionalisation of women’s projects. Another key factor was the emerging feminist discourse on trauma as a psychological consequence of violence. Drawing on movement journals and archival sources, this article traces how feminist activists – against the backdrop of their critique of ignorant health and welfare structures (psychiatry, psychotherapy, social services, etc.) and their commitment to self-help – developed non-psychiatrising explanations for the mental health issues of women affected by violence, as well as alternative support services. In doing so, they contributed to shifts in the intertwined norms of mental health and gender, and to the gradual transformation of the field of psychological sciences.

[Der Beitrag präsentiert Ergebnisse des am Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf durchgeführten Teilprojekts »Gefährlich krank. Der Maßregelvollzug in der BRD (1960–2000) im Feld gegenläufiger Strömungen«.

»Aber eines sage ich nur Ihnen: es soll mir niemand mehr kommen und sagen, ein Schizophrener sei nicht einer schöpferischen Leistung fähig; bei Schröder ist wohl das ganz seltene Ereignis eingetreten, dass die Psychose einen durchschnittlichen Menschen zum schöpferischen Künstler erhoben hat.«

»Sie, eine Frau von hoher Schönheit, von antiker Würde und raphaelischem Ebenmaß […] beschloß an einem sonnigen Wintertag La Rotonda zu verlassen. Sie löste ein Ticket aller jamais retour Berlin Tegel.