Aktuell

Liebe Leserinnen und Leser,

seit mehreren Jahren veranstaltet das Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam in wechselnder Besetzung das Historische Quartett. Die nächste Veranstaltung der Reihe findet am 10. Oktober 2022 im Literaturforum des Brecht-Hauses in Berlin statt – erstmals auch mit Livestream. Aus der Redaktion der »Zeithistorischen Forschungen« beteiligen sich Christine Bartlitz und Jan-Holger Kirsch am Podium; zusammen mit Jutta Braun und Bernd Greiner diskutieren sie vier aktuelle Bücher. Herzliche Einladung, sei es es für die analoge oder die virtuelle Teilnahme!

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Unser aktuelles »offenes« Heft (ZF 1/2022) bietet wieder ein breites Spektrum unterschiedlicher Themen, von der deutsch-türkischen Diskussion der 1980er-Jahre zu Günter Wallraffs Bestseller »Ganz unten« über die New Wave of British Heavy Metal um 1980 bis hin zur Entwicklung der ländlichen Armut in China seit den 1950er-Jahren. Besonders freuen wir uns, die Abschiedsvorlesung dokumentieren zu können, die Michael Wildt an der Humboldt-Universität zu Berlin gehalten hat – zur Frage »Was heißt: Singularität des Holocaust?«.

Seit Gründung der »Zeithistorischen Forschungen« (2003/04) gehört Michael Wildt unserem Beirat an und hat immer wieder in dieser Zeitschrift veröffentlicht. Im November 2022 wird er den renommierten Preis des Historischen Kollegs erhalten. Sehr herzlichen Glückwunsch!

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Für Deutschlandfunk Kultur hat Winfried Sträter ein Interview mit Frank Biess geführt – über die Ergebnisse und Thesen seines Aufsatzes zu Wallraffs »Ganz unten«.

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Zu seinem Aufsatz »Islamist Masculinity in Turkey, 1950–2000« im Themenheft »Männlichkeiten« (ZF 3/2021) wurde Jan-Markus Vömel im Podcast Turkey Book Talk interviewt.

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Mit der Eröffnung des Ethnologischen Museums Mitte September 2022 ist das Ausstellungsensemble des Berliner Humboldt-Forums nun vollständig. Die konzeptionellen Schwierigkeiten sind weiter in der Diskussion. Wie die Dilemmata eines »strategischen Kosmopolitanismus« schon die Planungsphase bestimmten, hat Daniel Morat 2019 prägnant erläutert.

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Am 29. August 2022 ist der umtriebige Rechtsanwalt und Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele im Alter von 83 Jahren verstorben. 2009 gab es einen zeithistorisch aufschlussreichen Dokumentarfilm über ihn, Otto Schily und Horst Mahler: »Die Anwälte – Eine deutsche Geschichte«. Hanno Hochmuth hat in unserer Zeitschrift 2010 über diesen Film geschrieben und ist den unterschiedlichen biographischen Sinnkonstruktionen der drei Protagonisten nachgegangen.

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Vor 80 Jahren, am 23. August 1942, begann die Schlacht von Stalingrad. Militärisch war sie für den weiteren Verlauf und den Ausgang des Zweiten Weltkrieges nicht allein entscheidend, aber in der zeitgenössischen Propaganda und der späteren Erinnerungskultur hatte sie sowohl auf deutscher als auch auf sowjetischer Seite einen besonders hohen Stellenwert. Alexander Kluge hat sich in seinem 1964 erstmals publizierten, später immer wieder umgearbeiteten Werk »Schlachtbeschreibung« literarisch und semi-dokumentarisch mit den Ereignissen auseinandergesetzt. Wolfgang Reichmann hat dieses Buch 2009 in unserer Rubrik »Neu gelesen« vorgestellt. Unter dem Eindruck der aktuellen Kriegsereignisse in der Ukraine gewinnen solche Versuche, die überwältigenden Erfahrungen in ihrer Widersprüchlichkeit darzustellen, noch einmal zusätzliche Brisanz.

Zum Krieg in der Ukraine verweisen wir auf die aktuellen Texte und Materialien bei zeitgeschichte | online und H-Soz-Kult.
Möge dieser entsetzliche Krieg so bald wie möglich enden!

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Vor 60 Jahren, am 17. August 1962, wurde der 18-jährige Peter Fechter bei einem Fluchtversuch nach West-Berlin an der innerstädtischen Sektorengrenze angeschossen. Im Todesstreifen auf Ost-Berliner Seite konnten ihm die West-Berliner Polizisten nicht helfen. Ein Foto zeigt, wie der verblutende junge Mann von DDR-Grenzpolizisten erst nach fast einer Stunde abtransportiert wurde. Das Bild des qualvollen Todes wurde rasch zur Medienikone und zur Anklage der Brutalität des DDR-Grenzregimes. In einem Beitrag von 2005 ist Christoph Hamann der Geschichte dieses Fotos nachgegangen.

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Neues aus der Redaktion: Nina Verheyen, Mitherausgeberin der Themenhefte »Männlichkeiten« (ZF 3/2021) und »Der Wert der Dinge« (ZF 3/2016), hat am 6. Juli 2022 an der Universität zu Köln erfolgreich ihr Habilitationskolloquium absolviert. Herzlichen Glückwunsch!

Christiane Reinecke, ebenfalls Redaktionsmitglied und seit September 2021 Professorin für Neuere und Neueste Europäische Geschichte an der Europa-Universität Flensburg, ist Mitherausgeberin des neuen »Inventars der Migrationsbegriffe« (im Aufbau; eine parallele Buchfassung ist für April 2023 angekündigt). Beiträge der »Zeithistorischen Forschungen« zum Themenfeld Migration gibt es hier.

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Wie das Flüchtlingshilfswerk UNHCR im Mai 2022 meldete, sind global betrachtet mehr als 100 Millionen Menschen auf der Flucht – eine höhere Zahl als je zuvor. Außer der Ukraine gibt es bekanntlich noch viele weitere Kriegs- und Krisengebiete. Daher bleibt die Flucht- und Flüchtlingsforschung auch ein wichtiger Schwerpunkt der Zeitgeschichte. Siehe dazu unser Themenheft 3/2018 (»Flucht als Handlungszusammenhang«).

Auch Hunger und Mangelernährung haben infolge des Ukraine-Krieges und anderer Ereignisse im globalen Maßstab weiter zugenommen, wie die Welthungerhilfe in ihrem Jahresbericht vom Juli 2022 näher belegt hat. Siehe für zeithistorische Perspektiven unser Themenheft 2/2021Welt – Hunger – Hilfe«).

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Vor 100 Jahren, am 24. Juni 1922, wurde Reichsaußenminister Walther Rathenau in Berlin ermordet. Martin Sabrow, Mitherausgeber dieser Zeitschrift, geht in seinem neuen Buch den Hintergründen der Gewalttat nach: »Der Rathenaumord und die deutsche Gegenrevolution«.

Martin Sabrows Abschiedsvorlesung an der Humboldt-Universität zu Berlin, gehalten am 6. Juli 2022 zum Thema »Zeitenwende in der Zeitgeschichte«, gibt es hier zum Nachhören.

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Der Verein der Freunde und Förderer des ZZF Potsdam vergibt seit 2017 jährlich den Zeitgeschichte-digital-Preis. Ausgewählt werden bis zu zwei Beiträge, die im jeweils vorangegangenen Kalenderjahr in den Online-Portalen des ZZF veröffentlicht wurden. Am 11. November 2021 wurden die besten Beiträge des Jahres 2020 ausgezeichnet (leider erneut nur als Online-Veranstaltung). Den ersten Preis erhielt diesmal Michael Homberg für seinen Aufsatz »Computerliebe. Die Anfänge der elektronischen Partnervermittlung in den USA und in Westeuropa« aus Heft 1/2020 der »Zeithistorischen Forschungen«. Herzlichen Glückwunsch! Nähere Hinweise und Fotos finden sich hier, die Laudationes für die Preisträger:innen hier. Die Preisverleihung für die besten Beiträge des Jahres 2021 wird am 24. November 2022 stattfinden.

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Passend zum 53. Deutschen Historikertag ist in der Podcast-Reihe des ZZF Anfang Oktober 2021 ein neuer Beitrag ins Netz gekommen (Folge 7): »Zeitgeschichte digital über das Forschen und Publizieren im Internet«. Tim Schleinitz hat die Redakteur:innen der Online-Portale des ZZF, Christine Bartlitz, Annette Schuhmann und Jan-Holger Kirsch, zu ihren Erfahrungen mit dem digitalen Publizieren und zu ihren Ideen für die Weiterentwicklung der Publikationsformate befragt.

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In der erweiterten Suche können Sie nicht nur jeweils einzeln nach bestimmten Autorinnen und Autoren, nach Stichworten oder Themen recherchieren, sondern können thematische, geographische und chronologische Suchkriterien auch miteinander verknüpfen. Ebenfalls möglich ist natürlich die Suche nach Heften im Archiv und die Suche in einzelnen Registern (Autoren-, Rubriken-, Schlagwortregister). Für die Rubrik »Neu gelesen« gibt es ein eigenes detailliertes Register.

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Ergänzend zu den Originalbeiträgen der »Zeithistorischen Forschungen« bieten wir inzwischen rund 300 »digitale Reprints« an (thematisch passende Aufsätze oder Buchkapitel, die anderswo erschienen sind). Auf dem Dokumentenserver des Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung sind diese Texte übersichtlich nachgewiesen, sortiert nach Themen und Ausgaben. Siehe hier.

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Am 24. September 1996 starb die Frankfurter Fotografin Abisag Tüllmann. Seit Oktober 2020 ist ihr beeindruckendes Werk auf einer Website zugänglich, die die bpk-Bildagentur der Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit Unterstützung der Abisag Tüllmann Stiftung aufgebaut hat. Den Leserinnen und Lesern der »Zeithistorischen Forschungen« ist Abisag Tüllmann nicht unbekannt: Wir haben bereits mehrfach Fotos von ihr verwendet, unter anderem für die Cover von Heft 3/2016 (»Der Wert der Dinge«) und Heft 2/2011 (»Politik und Kultur des Klangs im 20. Jahrhundert«). Auch im aktuellen Themenheft »Männlichkeiten« finden sich mehrere Fotos von ihr.

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Zum 50. Jahrestag der Ereignisse von 1968 und der 68er-Bewegung haben wir unsere Bibliographie neuerer Literatur zu diesem Themenkomplex mehrfach aktualisiert (Stand 28. Oktober 2019, Publikationsjahre 20052019). Die inzwischen 50-seitige Materialsammlung umfasst neben einschlägigen Büchern auch Nachweise von Rezensionen aus Zeitungen und Fachzeitschriften.

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Der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD) sowie die Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM) haben gemeinsam ein Gutachten zur Nutzung audiovisueller Zeugnisse in der Wissenschaft und den damit verbundenen Urheberrechtsfragen in Auftrag gegeben, das im September 2015 veröffentlicht wurde. Es enthält eine ausführliche Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Situation und ihrer Probleme; gefordert wird die Einführung einer allgemeinen, an den praktischen Bedürfnissen von Forschung und Lehre orientierten Wissenschaftsschranke.

Das Gutachten kann bei der Orientierung in vielen Fragen helfen, die sich auch der Redaktion und den Autorinnen und Autoren dieser Zeitschrift immer wieder stellen. Vor allem aber ist zu hoffen, daß es weite Verbreitung findet, eine Grundlage für weitere Diskussionen liefert und letztlich zu Verbesserungen der gesetzlichen Vorgaben führt.

Mit besten Grüßen der Redaktion und der Herausgeber
Jan-Holger Kirsch