Prekäre Zugehörigkeit

Carl-Jacob Danzigers/Joachim Chaim Schwarz’ autobiographische Romane

  1. Im Orient, im Exil
  2. In der DDR, zwischen den Stühlen

Anmerkungen

Carl-Jacob Danziger
[Pseudonym für Joachim Chaim Schwarz],
»Die Partei hat immer recht«. Autobiographischer Roman,
Stuttgart: Werner Gebühr 1976
(im folgenden Text zitiert
mit dem Kürzel »PHR«);
Tb.-Ausg.: Frankfurt a.M.: Ullstein 1980; unveränd. Nachdruck:
Frankfurt a.M.: FISCHER Taschenbuch 2016.
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Carl-Jacob Danziger
[Pseudonym für Joachim Chaim Schwarz],
Kein Talent für Israel.
Autobiographischer Roman
,
Düsseldorf: Erb 1980;
Nördlingen: Greno 1988
(im folgenden Text zitiert
mit dem Kürzel »KTI«).

Im September 1976 veröffentlichte Heinrich Böll, Literaturnobelpreisträger und einer der meistbeachteten Schriftsteller der Bundesrepublik, die Besprechung eines gerade veröffentlichten Buches, dessen Autor zwar in der DDR lebte, seinen Text jedoch beim kleinen Werner Gebühr Verlag in Stuttgart zum Druck gegeben hatte.1 Faszination und Anziehung versprach der schmale Band schon wegen seiner Entstehung »im Grenzstreifen zwischen DDR und Bundesrepublik« (so Böll); deshalb wurde er unter einem Pseudonym – Carl-Jacob Danziger – veröffentlicht. Größer noch war das Interesse aber, weil es sich bei dem Buch mit dem ironisch distanzierten und in Anführungszeichen gesetzten Titel »Die Partei hat immer recht« um den autobiographischen Roman eines Schriftstellers handelte, der sich zuerst voll und ganz dem sozialistischen Selbstverständnis der DDR verschrieben, mit seinem Buch nun jedoch die Geschichte seiner Enttäuschungen vorgelegt hatte.2 »Danzigers schlimmste Sünde aber ist, daß er sich für Realismus und nicht für sozialistischen Realismus entscheidet«, fasste Böll die von Danziger niedergelegte Konfrontation seiner einstigen sozialistischen Utopie mit der Realität des DDR-Sozialismus zusammen. Hier lag die Geschichte einer Entfremdung und Abwendung vor. Auch deshalb wurde Danzigers Roman in der Bundesrepublik schnell große Aufmerksamkeit zuteil; Journalisten würdigten ihn als Ausdruck von »zivilem Ungehorsam«, »Auswurf des Gewissens« und einer persönlichen Abrechnung mit der Partei.3

Eine solche Lektüre entsprang vorrangig dem Deutungshorizont des deutsch-deutschen Gegensatzes im Zeichen des ideologisch aufgeladenen Blockkonflikts. Verdeckt blieben darunter jedoch die Tiefenschichten einer deutsch-jüdischen Geschichtserfahrung, der Danziger mit seiner Darstellung Ausdruck verliehen hatte. Zwar ließ auch Böll nicht unerwähnt, dass »Die Partei hat immer recht« aus der Feder eines deutschen Juden stammte, der aus dem palästinensischen Exil nach Deutschland zurückgekehrt war. Dass die »Geschichte seines Lebens in der DDR« aber zugleich »die fortgesetzte Geschichte einer nicht gelungenen Assimilation« war und sein Leben als Remigrant in der DDR von einem Empfinden prekärer Zugehörigkeit gekennzeichnet war, blieb durch die Wogen des Kalten Krieges im Hintergrund.4 Erst die wenige Jahre später ebenfalls in der Bundesrepublik publizierten Romane »Falscher Salut« (1978) und »Kein Talent für Israel« (1980) ließen Danzigers frühere autobiographische Veröffentlichung in neuem Licht erscheinen.

Immer noch verborgen blieb aber, dass es sich bei dem Autor um den 1909 in Berlin geborenen Schriftsteller Joachim Chaim Schwarz handelte, der bereits in der Weimarer Republik und später auch in der DDR ein beachtliches journalistisches und schriftstellerisches Werk vorgelegt hatte.5 Erst kurz vor seinem Tod und mit der noch zu Lebzeiten erfolgten Übergabe seines Nachlasses an die Staatsbibliothek zu Berlin trat die Biographie des 1992 in Berlin verstorbenen Schwarz hinter den autobiographischen Veröffentlichungen Danzigers hervor.6

Sichtbar wurde damit zugleich, in welch hohem Maße Schwarz’ Texte die erfahrenen Brüche im Leben eines in Deutschland geborenen Sohnes orthodoxer polnischer Juden spiegelten, der von den Nazis außer Landes getrieben worden war und sich weder im Jischuw in Palästina noch in der ostdeutschen Remigration jemals als wirklich zugehörig empfand. »All diese Stationen seines Lebens hatte Peter [d.i. Joachim Chaim Schwarz] als literarischen Anlaß genommen. Er war der Meinung, daß intensive Bekenntnisse zu den eigenen Stationen auch Stationen der Menschheit miterfassen mußten und damit die Allgemeingültigkeit hergestellt werden konnte«, hielt Schwarz um 1986 unter dem Pseudonym Peter Pansen in dem unveröffentlicht gebliebenen autobiographischen Buchmanuskript »Eins gleich Zwei« fest.7 »Merkwürdig war nur, daß ich die Bücher nie schrieb, wenn ich glücklich war und die Gründe für mein Glücksgefühl herausfinden wollte«, resümierte er einige Jahre später in ähnlichem Ton, nun aber in der ersten Person. »Ich schrieb sie stets, wenn ich gescheitert war, das Buch war der Schlußstrich, den ich zog. Meistens schlossen sich Ortsveränderungen an und Versuche, neu zu beginnen.«8 Doch obwohl Schwarz noch für sein letztes, ebenfalls unveröffentlicht gebliebenes Buchmanuskript »Das holzgeschnitzte Ich« wieder ein Pseudonym wählte und er damit den »autobiographischen Pakt« (Philippe Lejeune) mit seiner potentiellen Leserschaft lockerte: Für alle von ihm mit fiktiven Namen gezeichneten autobiographischen Romane scheint Schwarz’ eigenes Urteil zuzutreffen, dass seine »Einbildungskraft völlig versagt hat« und er allein »der Wahrheit zu ihrem Recht verhelfen« wollte.9 Als Ego-Dokumente halten sie einer ersten Prüfung durch seinen Nachlass ebenso stand, wie gerade die Verschränkung von individueller Erfahrung und historischem Urteil eine Re-Lektüre von »Kein Talent für Israel« und »Die Partei hat immer recht« auch heute noch zu einem Erkenntnisgewinn macht. Denn während die Erfahrung prekärer Zugehörigkeit für Schwarz persönlich zur »Suche nach einem Gesicht« wurde (KTI, S. 39),10 eröffnet die damit verbundene Außenseiterperspektive eine schonungslose Darstellung der ihn umgebenden gesellschaftlichen Wirklichkeit.11

1. Im Orient, im Exil

»Kein Talent für Israel« ist Schwarz’ letzter zu Lebzeiten veröffentlichter autobiographischer Roman und zugleich derjenige, der ihn am längsten beschäftigt hat. »Am meisten Mühe hatte ihm übrigens das Israel-Buch gemacht, das er dreißig Jahre lang bearbeitete, immer wieder hervorholte und umschrieb«, notierte er in seinen Memoiren in der dritten Person.12 Die Schwierigkeiten des Schreibprozesses zeigen sich auch in der Vielzahl der erhaltenen Manuskripte, die sich in seinem Nachlass finden. In einer ersten Fassung als »Israels Krieg« betitelt, im Jahr der israelischen Staatsgründung zu »Die große Wanderung« (1948) umgearbeitet und in der DDR auf die 500-seitige Variation »Flucht aus dem gelobten Land« (1975) ausgeweitet, bezeugen die verschiedenen Versionen zugleich Veränderungen in Schwarz’ politischen Perspektiven sowie sein ambivalentes Verhältnis von Nähe und Distanz zum jüdischen Staat. Der endgültige Text erschien schließlich 1980 als Buch.

Der Ausgangspunkt der Erzählung war hingegen immer gleich. Es war seine individuelle ebenso wie die zum Teil kollektive Erfahrung deutscher Juden, die aus ihrer Heimat vertrieben in der »Backofenglut des Orients« (KTI, S. 11) niemals wirklich heimisch geworden waren. Von der Erfahrung seiner polnisch-jüdischen Eltern hatte sich die des Sohnes deutlich unterschieden. Denn während der Zionismus den religiös-observanten Vater bereits auf Palästina orientiert hatte, war die Annahme der deutschen Staatsbürgerschaft für den 20-jährigen Sohn schließlich zum formalen Symbol einer Beheimatung in der deutschsprachigen Kultur geworden. Nach dem Studium der Geschichte und Literatur war Schwarz als freier Autor von »Vossischer Zeitung«, »Berliner Tageblatt« und »Simplicissimus« fest im linksliberalen Milieu der Weimarer Republik verankert.13 Auch deshalb rieb sich sein säkularer Individualismus nach der Emigration von 1934 sogleich an dem kollektivierenden Selbst­verständnis des zionistischen Projekts. »Seltsam, dort, wo er nicht bleiben wollte, war er kein Fremder, kein Emigrant. Nein[,] Einwanderer nannten sie ihn, Immigrant, auf Hebräisch sogar Oleh, Aufsteigender.«14 So hatte der einige Jahre nach Schwarz in Palästina gestrandete und später in der DDR reüssierende Schriftsteller Rudolf Hirsch die Spannung festgehalten, die sich mit der deutschen Alija als erste nicht welt­anschaulich begründete Einwanderung im zionistischen Jischuw verband. Dabei war Schwarz durchaus bemüht, sich in das neu entstehende Gemeinwesen zu integrieren, und hatte sich nur kurz nach seiner Ankunft einem Kibbuz angeschlossen. Als er in der Zeitschrift der Kommune jedoch bekannte, »daß wir deutschen Einwanderer nicht in dieses Land gekommen seien, um eine jüdische Kultur aufzubauen, sondern um unser Leben zu retten«, endete der darauffolgende Konflikt mit der Forderung, den Kibbuz zu verlassen (KTI, S. 7). »›Entartung‹, sagte er. […] Es bestünde für mich die Gefahr der Entartung«, lautet der erste Satz von Schwarz’ Israel-Buch, das mit der Auseinandersetzung mit dem Redakteur der Kibbuz-Zeitschrift anhebt. Es war die erste Kollision, die Schwarz’ schriftstellerischem Wirken folgte, und der Beginn seiner zunehmenden Entfremdung gegenüber dem zionistischen Projekt.

»Kein Talent für Israel« ist die Geschichte dieser gescheiterten Integration, dargestellt anhand von Schwarz’ Zeit in Palästina, während der er zwar um Anerkennung als Autor rang, sich aber viele Jahre erfolglos als Farmarbeiter, Bauarbeiter, Glaser, Nachtwächter, Hilfspolizist und Zierfischhändler im Tel Aviver Vorort Ramat Gan verdingen musste. Dabei waren Schwarz’ Texte anfänglich durchaus publiziert worden. Zwar hatte er für sein erstes Buchmanuskript innerhalb des Jischuw keinen Veröffentlichungsort gefunden. Nachdem der kritische Ton seines Textes im Gefolge mehrfacher Überarbeitung in den Hintergrund getreten war, sollte Schwarz’ Beschreibung des Lebens deutscher Einwanderer im Kibbuz unter dem Titel »Volk Israel lebt« aber als Folgeroman auf den Seiten der Berliner »Jüdischen Rundschau« erscheinen. Doch bereits Hugo Bergmann, der damalige Leiter der Jüdischen Nationalbibliothek, wich von seiner anfänglich erteilten Publikationsempfehlung kurz darauf zurück und monierte gegenüber Schwarz die »Atmosphäre des Buches«, die »Palästina in einem falschen Licht erscheinen« lasse (KTI, S. 65).15 Die Ausweitung von Schwarz’ Dissidenz blieb von derlei Kritik indes unberührt; vielmehr macht seine Autobiographie deren schleichende Verschiebung von der Sphäre des Kulturellen in den Bereich des Politischen erkennbar. So folgte aus seinem Blick auf die Lage der jüdischen Arbeiter im Jischuw die Einsicht, dass »etwas mit dem Klassenfrieden im Land der Väter« nicht stimme; die soziale Frage werde dem nationalen Projekt geopfert (KTI, S. 44).

Die wachsende Distanz zu Berl Katznelson (1887–1944), dem bedeutenden Theoretiker des Linkszionismus und Schwarz’ zeitweiligem Förderer, führte letztlich zum Bruch. Dieser war auch Schwarz’ Artikelserie über die Haganah, die vorstaatliche Armee des Jischuw, auf den Seiten der Tageszeitung »Davar« (»Wort«) geschuldet. Zwar war Schwarz in seinem »letzte[n] milde[n] Palästinabuch […] von der Ehre des jüdischen Volkes« und seiner Armee ausgegangen. Die ironisierende Darstellung seiner Protagonisten und ihrer menschlichen Makel vermittelte jedoch einen anderen Eindruck. »Du bist ein negativer Mensch, deine Augen sind negativ«, hatte ihm Katznelson entgegengehalten. »Es spricht gegen dich, daß du an dem heroischen Geschichtsabschnitt der jüdischen Wacht nur diese kleinen Dummheiten gesehen hast. Wenn du derartige Dinge fabrizierst, kann ich nichts für dich tun.« (KTI, S. 115) Begrenzt auf den Jischuw blieben Schwarz’ Entfremdung und die Konfrontation eines heroischen Selbstbildes mit der politischen Wirklichkeit indes nicht. Isoliert und zerrüttet vom Zerwürfnis mit Katznelson hatte sich Schwarz der in Nordafrika operierenden 8. britischen Armee angeschlossen, um sich mit ihr den Weg zurück nach Deutschland freizukämpfen. Seine Kritik an der militärischen Moral der Soldaten und deren kolonialem Habitus hatte allerdings Schwarz’ Rauswurf zur Folge (KTI, S. 117). Ein ganzes Manuskript unter dem Titel »Dayan Sommer« widmete er diesem »Falschen Salut« – wie das Buch später heißen sollte –, nach seiner Rückkehr in den Jischuw im Jahre 1942.16

Dass sich Schwarz’ »negatives Auge« schließlich auch auf den Konflikt um »Israel in Palästina« (Dan Diner) richtete, war demgegenüber keineswegs selbstverständlich.17 Immerhin deutete Schwarz den arabischen Aufstand der Jahre 1936–1939 zuerst als einseitigen Angriff gegen vor Gewalt und Tod geflohene Juden. Auch deshalb wollte er »selbst ein Mann mit Gewehr sein« und hatte sich der Haganah angeschlossen (KTI, S. 90). Und doch beschreibt gerade die Schlüsselszene von »Kein Talent für Israel« das Ineinanderfließen des Wissens um die systematische Vernichtung der europäischen Juden einerseits und die Erkenntnis der eigenständigen Struktur des Konflikts um eine jüdische Staatsgründung in Palästina andererseits. Über die Begegnung mit einer aus Auschwitz entronnenen Jüdin – aus jener Hölle der Höllen, für die im Text das hebräische Wort »Gehenom« verwendet wird – , die Palästina von britischen Truppen unbemerkt und unter dem Schutz jüdischer Paramilitärs erreicht hatte, heißt es dort: »Sie war illegal, alle Flüchtlinge waren illegal. Auch die Hagannah war illegal, das ganze jüdische Volk war illegal. Nur eins war legal: dieses ›Gehenom‹. ›Gehenom‹ war die ›Hölle‹ […] und meinte damit ein Leben[,] das langsamer Tod war.« (KTI, S. 140)

Nur kurz darauf aber wendet sich Schwarz’ Perspektive in Richtung des Konflikts vor Ort: »Was für ein Land! […] Es war auch ein Land, in dem praktisch vorgeführt wurde, was eine Tragödie ist: nämlich ein Konflikt, in dem alle beteiligten Parteien recht haben. Die hier lebenden Juden hatten recht, wenn sie sich stark machten, um den Überlebenden ihres Volkes die helfende Hand reichen zu können. Die Araber hatten recht, wenn sie befürchteten, daß auf den einst harmlosen Siedlungsvereinen verkauften Böden ein staatliches Gebilde heranwachsen könnte, dessen Aktivitäten sich eines Tages gegen sie richten mußten. […] Und die illegalen Einwanderer, die Flüchtlinge aus Nazi-Europa, hatten recht, wenn sie an dem lauen und immer zu spät funktionierenden Weltgewissen vorbei ihr Leben retten wollten und auf verschrottungsreifen italienischen Dampfern die palästinensische Küste anstrebten […].« (KTI, S. 141f.) Mochte er sich auch vor dem Hintergrund der eigenen Flucht ganz unmittelbar mit den Überlebenden des Holocaust solidarisieren: Schwarz’ Kenntnis des Konflikts vor Ort brachte ihn immer weiter auf Distanz zum zionistischen Selbstverständnis des Jischuw.

Eine Heimat fand er stattdessen in einem kleinen Kreis deutschsprachiger Emigranten, die sich um den von Arnold Zweig und Wolfgang Yourgrau herausgegebenen »Orient« und dessen Nachfolgezeitschrift »Heute und Morgen« sammelten.18 Sowohl deren Herausgeber, der Berliner Kunsthistoriker und Schauspieler Arnold Czempin, als auch der Autor und Schwarz’ langjähriger Freund Ernst Loewy tauchen im Roman unter den Pseudonymen Dr. Schiller und Michael auf (KTI, S. 172). Loewy war es zudem, der Schwarz nach der Lektüre seines stetig wachsenden häretischen Manuskripts – Schwarz selbst spricht von seinem »Haß-Buch« (KTI, S. 161) – auf dessen Affinität zur kommunistischen Bewegung des Landes hinwies und Schwarz an die der Partei nahestehenden Emigrantenkreise heranführte. Niemand aber hinterließ einen größeren Eindruck auf Schwarz als der ebenfalls 1909 geborene Prager Schriftsteller Louis Fürnberg. In einem »großen Freundschaftsbrief« (KTI, S. 162) vom Mai 1944, der sich heute in Schwarz’ Nachlass findet, hatte sich Fürnberg beeindruckt von Schwarz’ literarischer Klarheit und politischer Urteilskraft gezeigt und ihm damit jene Anerkennung zuteilwerden lassen, die ihm sonst lange Zeit verwehrt blieb. Bis zu seinem Tod im Jahre 1957 war Fürnberg fortan Schwarz’ politischer wie literarischer Förderer.

Dass die Erfahrung des Exils, die weltanschauliche Distanz zur Politik des Jischuw und die Bindung an deutsche Sprache und Literatur schließlich den Wunsch nach Rückkehr reifen ließen, geht aus dem Buch von 1980 ebenfalls hervor. »Mich zog die Erinnerung an die Weimarer Zeit, an Freiheit der Kunst und Literatur«, heißt es dort (KTI, S. 187). Daran konnte auch Schwarz’ überzeugte Teilnahme am israelischen Unabhängigkeitskrieg nichts ändern. So bezeugen sein Israel-Buch und die zahlreichen Vorarbeiten zugleich, wie sehr ihm die Gewalt des Krieges, vor allem aber Flucht und Vertreibung der palästinensischen Araber zugesetzt und dem entstehenden Gemeinwesen gegenüber entfremdet hatten. »Wir hatten die friedliche Föderation gewollt, und der blutige Chauvinismus kam«, heißt es in »Kein Talent für Israel« mit Blick auf Juden und Araber gleichermaßen. Auch deshalb entschied sich Schwarz schließlich, »das schlimmste Verbrechen zu begehen […], das es damals für zionistische Vorstellungen gab: das Land für immer zu verlassen, auszuwandern« (KTI, S. 266f.). Bloß ein Fortgang war sein Entschluss, analog zu einem weiteren Kreis von Remigranten in Richtung DDR, jedoch nicht; es war zugleich ein Schritt in eine neue Zukunft. »Entartung trieb mich aus dem Land der Väter«, beginnt der letzte Satz des Romans, »aber ich war froh zu entkommen, ich hörte Stimmen, Brüder riefen mich.« (KTI, S. 267)

2. In der DDR, zwischen den Stühlen

»Du willst von mir etwas Persönliches hören«, schrieb Schwarz im September 1950 in seinem ersten Brief nach der Ankunft in Berlin-Karlshorst an den Freund Ernst Loewy, um unmittelbar anzuschließen: »Persönlich ist meine wachsende Begeisterung für die DDR und die Partei.« Und doch hatte sich unter die Euphorie »vom Politischen her«, die vom Vertrauen in den neuen Staat und dessen Weg zu Sozialismus und Menschlichkeit als Antwort auf die Vergangenheit zehrte, noch ein anderes Gefühl gemischt, das aus der Trennung von Deutschen und Juden nach Auschwitz rührte: »Immer noch schwer ist manchmal für mich die Liebe zum Volk, das gerade zufällig in meinem Fall das deutsche Volk ist und das ich als Jude mit einem besonderen Anti-Nazi-Komplex aufnehme, mit einer besonderen, nicht immer ganz gerechten Gereiztheit.«19 Als Schwarz 26 Jahre später »Die Partei hat immer recht« veröffentlichte, da mochte der Titel zwar auch als Reminiszenz an Fürnberg erscheinen. Der Text selbst aber war nun zum doppelten Rechenschaftsbericht über die gegenüber Loewy offengelegte Ausgangssituation geworden: ein Bericht, der einerseits seine anfängliche Loyalität mit der zunehmenden Enttäuschung über die Wirklichkeit des dogmatischen Real-Sozialismus spiegelte und andererseits von der permanenten Frage nach den Existenzbedingungen, Herausforderungen und Ängsten eines Juden im östlichen Nachkriegsdeutschland zeugte.

Allem Zukunftsoptimismus zum Trotz lag schon über Schwarz’ Rückkehr nach Deutschland ein Schatten. Das Vertrauen, das er gemeinsam mit anderen Remigranten gerade in ein sozialistisches Deutschland gesetzt hatte, wurde den Palästina-Rückkehrern dort nicht entgegengebracht. Nur vereinzelt war Angehörigen aus seinem einstigen Umfeld unter dem Schutz der sowjetischen Militäradministration die Repatriierung gestattet worden. »Ich war empört, unzufrieden, es zehrte an mir«, hieß es dazu später in seinen Erinnerungen. »Bewies nicht ein Jude mit seiner Rückkehr in dieses Land der Pogrome und KZs, daß er an die Wandlung und Gesundung des deutschen Volkes glaubte? Hatte irgendein Deutscher das Recht, einen in Deutschland geborenen Juden, der nach der Hitler-Epoche heimkehrte, wieder fortzuschicken und ihm die Repatriierung zu verweigern?« (PHR, S. 27-29) Auch die Rückkehr von Schwarz selbst war schließlich nicht unproblematisch gewesen. Während er die Schwierigkeiten einer Ausreise aus dem jüdischen Staat mittels eines Visums umgehen konnte, das ihm als Journalist der regierungsnahen Tageszeitung »Davar« ausgestellt wurde und für dessen Erwerb er sogar in Ben Gurions Partei Mapai eingetreten war, war er für seine Remigration in die DDR auf die Hilfe von Louis Fürnberg angewiesen, der sich – inzwischen als tschechoslowakischer Kulturattaché in der DDR – für den Freund verbürgte.20 Ähnlich wie Rudolf Hirsch, der nur kurz vor ihm aus Palästina zurückgekehrt war, konnte Schwarz deshalb zuerst auf den Seiten der »Täglichen Rundschau« – der Zeitung der sowjetischen Militäradministration – an seine vergangene journalistische Tätigkeit anknüpfen. Als er später auf diese frühen Jahre in der DDR zurückblickte, wurde seine Darstellung zugleich ein Bericht über die Ankunftsschwierigkeiten seiner Schicksalsgenossen, über »uns kleine Tucholskys«, die von der DDR doch angenommen hatten, »sie verwirkliche die Ideale der Menschheit« (PHR, S. 33).

Unmittelbar war der Vertrauensverlust in den Arbeiterstaat und in sein Versprechen einer menschheitlichen Zukunft jedenfalls nicht. Daran konnte auch die Verbitterung über eine Absage des Dietz-Verlags im Herbst 1949 nichts ändern, der eine Druckzusage für das Manuskript über Schwarz’ Zeit in der britischen Armee widerrief. Erst im August 1955 fügte der Autor den zurückgesandten Druckfahnen die Notiz bei, dass das Buch nie veröffentlicht wurde, »weil darin von Juden die Rede ist und weil es sehr persönlich und eigenartig ist, was bei uns bis 1953 verboten war«.21 Zwar reagierte Schwarz bereits im Mai 1953 zynisch auf die weltanschaulichen und ideologischen Verzerrungen, die innerhalb der SED über Israel, die zionistische Bewegung und auch seine eigene Biographie vorherrschten. Spöttisch hieß es etwa in dem Lebenslauf, den er anlässlich seiner Überprüfung wegen der Kandidatur zur Parteimitgliedschaft vorlegte, über die Wahl Palästinas als einstiges Emigrationsland: »Da mein Vater Zionist war, ohne amerikanischer Agent zu sein (sowas gibt’s, Ihr armen Dogmatiker), lenkte er unsere Familie nach dem Triumph des Münchener Bräuhauses über Deutschland nach Palästina.«22 Stärker traf ihn jedoch, dass ihm eine Aufnahme in die SED mit Blick auf seine vergangene Mitgliedschaft in der Mapai verweigert wurde. »Ich paßte nicht in die Partei. Das hatte man wohl entdeckt. Was konnte es sonst sein, das man entdeckt hatte«, beschrieb er den damaligen Schock später. »Es war aber mein letzter Versuch gewesen, irgendwohin zu passen, der mich nach Deutschland zurückgeführt hatte. Und nun? […] Wie ich weiter leben sollte, wußte ich nicht. Ich war der Meinung, daß alle Deutschen außerhalb der Partei offene oder getarnte Nazis oder geeignet waren, es zu werden, und daß überhaupt kein Grund für mich vorlag, mit ihnen zusammenzuleben und mich mit ihnen zu befreunden.« (PHR, S. 74)

Eingeschrieben hatte sich diese Spannung zwischen der existentiellen Bezugnahme auf die Partei und der Kritik an ihren ideologischen Verzerrungen auch in Schwarz’ Darstellung des 17. Juni 1953; jener Ikone bundesrepublikanischen Gedenkens, die zugleich eine Schlüsselszene von »Die Partei hat immer recht« darstellt.23 Auch hier steht am Anfang das wiederkehrende Motiv einer Kollision von Schwarz’ Anspruch, »die Verhältnisse realistisch zu sehen«, und deren ideologisierter Überformung durch den Realsozialismus (PHR, S. 109). Immerhin hatte er mit Unterstützung des Schriftstellerverbandes bereits von Mai bis August 1951 in den Bergmann-Borsig-Werken für seine Reportage »Sie blieb nicht allein. Aufzeichnungen aus einem Betrieb« recherchiert und war dort der wachsenden Unzufriedenheit unter den ostdeutschen Arbeitern begegnet.24 Von Seiten des Verbandes und der Partei waren seine warnenden Worte hingegen abschätzig und überheblich beantwortet worden; so hatte Schwarz seinen Roman bis zur Veröffentlichung (1955) mehrere Male umarbeiten müssen. Als der Aufstand vom Juni 1953 einen Beginn auch in den Bergmann-Borsig-Werken nahm, sah sich Schwarz gegenüber der parteipolitischen Rede einer Aufheizung durch den Westen jedoch nicht allein historisch in seiner Einschätzung bestätigt. Die Erhebung der deutschen Arbeiter gegen die sozialistische Partei und den antifaschistischen Staat evozierte ihm auch Bilder der jüngsten Vergangenheit. »Überhaupt wäre ohne eine gewisse allgemeine Verkommenheit der Deutschen der 17. Juni nicht möglich gewesen«, schrieb er nur wenige Tage nach der Niederschlagung des Aufstandes an seinen Vater und seine Schwester. »Sie lechzen nach einem neuen Faschismus, diese Banditen.«25 In der autobiographischen Rückschau von »Die Partei hat immer recht« war es deshalb auch diese Sicht, die seine Bindung an die Partei noch einmal bestätigen sollte. »In diesem Augenblick, in dem der deutsche Faschismus aus dem Grabe zu steigen schien, war sie ›meine‹ Partei. Das war meine Stimmung im Juni 1953.« (PHR, S. 124) So steht Schwarz’ Zeitdiagnose für eine jüdische Gegenwartsdeutung, die sich den zeitgenössischen Erzählungen in Ost und West gleichermaßen entzog.26

Von Dauer war Schwarz’ Selbstbild als das »treueste Mitglied der Partei, obwohl ich keines war« (PHR, S. 149), jedoch nicht. Denn nach den Ereignissen des 17. Juni hatte er zwar Anerkennung für seine Weitsicht über die Lage der Arbeiterschaft erfahren. Eine Selbstkritik der Partei und deren ideologische Öffnung als Teil der politischen Auseinandersetzung zog das indes keineswegs nach sich. »Bis kurz vor dem 17. Juni hieß es: Schwarz sieht schwarz, unsere Arbeiter sind schon weiter […]. Am 17. Juni sah man, wie sie sprechen und diskutieren, und es hieß plötzlich: Schwarz hat alles richtig vorausgesehen«, schrieb er wenige Jahre später an Fürnberg über ein Interesse an seinen Einsichten, das »mit einer geradezu grotesken Promptheit« wieder abflaute.27 Über die wechselseitige Entfremdung zwischen Schwarz und der SED mochten jedenfalls weder sein journalistisches Wirken noch die Vielzahl der zwischen 1955 und 1962 veröffentlichten Reportage-Romane hinwegtäuschen. Ohnehin fokussierten seine Einblicke in die Fabriken, Betriebe und anderweitige Berufslandschaften immer wieder die Spannungen innerhalb des Arbeitslebens, und er zeichnete seine Partei-Protagonisten häufig als »negative Helden«.28 So waren seine Texte auf zunehmende Ablehnung bei Staat und Partei gestoßen. »Wird den Komplex des verfolgten Juden nicht los«, hieß es bereits Mitte 1959 in einem mit Ressentiments gespickten Überwachungsbericht des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS), in dem Schwarz vorgeworfen wurde, »daß sich der Autor nur in Worten zur SED und zur Politik der DDR-Regierung bekenne, ›während dem Negativen die Gestaltung bleibt‹.«29

Nahezu bedeutungslos nimmt sich demgegenüber die Verleihung des Literaturpreises des FDGB aus, die Schwarz noch 1961 für seinen Roman »Der neue Direktor« (1961) zuteil wurde. Sie stand im Schatten jener Welle öffentlicher Ablehnung, die er für seinen Charité-Roman »Das gespaltene Herz« (1962) erfuhr. Während die Partei von einer »Beleidigung der Arbeiterklasse« sprach, hagelte es auf den Seiten des »Neuen Deutschlands« Verrisse, bis sich sogar der Tribüne-Verlag von seinem Autor distanzierte.30 »Es rauschte ein wahrer Müllberg auf mich nieder«, blickte Schwarz später auf die Ereignisse von 1962 zurück. »Ich war am Ende meiner beruflichen Möglichkeiten angelangt.« (PHR, S. 213) Zwar veröffentlichte er ein Jahr später beim Mitteldeutschen Verlag eine wenig beachtete Darstellung des Eichmann-Prozesses,31 doch war nun die »Schweigezeit« (PHR, S. 140f.) von Joachim Chaim Schwarz gekommen: Er publizierte in der DDR keine weiteren Bücher mehr. Über die innere Isolation und Zurückgezogenheit im Land seiner einstigen Rückkehr reichten die Ereignisse hinaus; sie veränderten auch das Bild seiner vorausgehenden Vergangenheit: »Ich habe richtig Heimweh und träume Nacht für Nacht von Israel«, schrieb er im Herbst 1963 erschöpft an seine Schwester Sala über seinen »großen Lebenswunsch: Noch einmal nach Israel kommen zu können und dieses Land um Verzeihung zu bitten für die Blödheit, die mich veranlaßte, hierherzukommen.«32

Ein Ende seines Schreibens bedeutete die »Schweigezeit« in der DDR jedoch nicht. Aufgewühlt durch die Ereignisse des Prager Frühlings 1968 und die Niederschlagung von demokratischem Protest auch in der DDR hatte Schwarz nun seine Arbeit an »Die Partei hat immer recht« begonnen.33 Dass der Roman sieben Jahre später die bundesrepublikanische Öffentlichkeit mit dem Leben Carl-Jacob Danzigers bekannt machte, war wiederum auch ein Verdienst von Ernst Loewy. Dieser hatte Schwarz zwischen 1975 und 1981 fünfmal nach Frankfurt am Main eingeladen, um dort sowohl die Buchmesse zu besuchen als auch in Kontakt mit Verlegern zu kommen.34 Eine Wirkung hatte die Möglichkeit der Publikation aber auch auf die anschließenden Romane. Folgte »Falscher Salut« noch ganz dem Manuskript, das bereits zum Ende der 1940er-Jahre dem Ost-Berliner Dietz-Verlag vorgelegen hatte, unterzog Schwarz »Kein Talent für Israel« noch einmal einer grundlegenden Überarbeitung. An dem 500-seitigen Manuskript, zu dessen Veröffentlichung sich nach sechsjährigem Ringen der Ost-Berliner Verlag der Nationen bereiterklärt hatte, wollte Schwarz ohnehin nicht festhalten. Für die Veröffentlichung im Düsseldorfer Erb-Verlag kürzte er den Text nun drastisch, präsentierte seine Haltung zum jüdischen Staat politisch abgewogen und tilgte zudem die »marxistisch sein sollenden Autoren-Kommentare« der vorausgegangenen Fassung.35 »[A]us dem Israel-Buch wurde eine Radierung«, schrieb er später in seinen Erinnerungen, »ich nahm das Dunkle fort und ließ das Helle stehen, aus fünfhundert Seiten wurden zweihundertfünfzig.«36

Henryk M. Broder hat schon 1981 darauf hingewiesen, dass aus beiden Büchern – »Die Partei hat immer recht« und »Kein Talent für Israel« – »die Enttäuschung eines Menschen« spricht, »der seine Moral keiner Doktrin opfern wollte. ›Ich vertrage keine Lügen und Geschichtsfälschungen, und wenn tausendmal behauptet wird, daß sie einem guten Zwecke zuliebe in die Welt gesetzt werden‹«, hatte Schwarz diese Haltung in »Die Partei hat immer recht« selbst resümiert.37 Identisch war sein Realitäts- und Wahrheitsempfinden, das Schwarz’ »Suche nach einem Gesicht« innerhalb des entstehenden jüdischen Staates und in der DDR angeleitet hatte, jedoch nicht. Zwischen beiden historischen Erfahrungen stand der Holocaust. »Freilich war meine Assimilation im Judenland auch nicht geglückt, ich konnte mit ihnen [d.h. den dortigen Juden] nicht leben, wir waren im Schicksal gleich und als Menschen höchst unterschiedlich«, schrieb er in »Die Partei hat immer recht«, um sogleich anzuschließen: »Ihr Lebensrecht ist unantastbar, auch wenn das ihren Feinden in den Scharfschützennestern hart hinter ihren Grenzen nicht gefällt.« (PHR, S. 238f.) Damit zielte Schwarz’ Urteil aber nicht nur auf den realen Konflikt im Nahen Osten. Kaum weniger war es gegen jenen ideologischen Antiimperialismus in der DDR gerichtet, der mit einer feindseligen Haltung gegenüber dem jüdischen Staat einherging. So lesen sich Joachim Chaim Schwarz’ Romane nicht nur als die wiederkehrende Erfahrung prekärer Zugehörigkeit, sondern auch als Ausdruck der Wirkungen, die Auschwitz im Bewusstsein deutscher Juden hinterlassen hat.38


Anmerkungen:

1 Heinrich Böll, Sprache ist älter als jeder Staat, in: ZEIT, 17.9.1976.

2 Bereits vor Danzigers Roman war der Titel »Die Partei hat immer recht« einerseits durch Louis Fürnbergs »Lied der Partei« von 1949 und andererseits durch Ralph Giordanos gleichnamige Abrechnung mit dem Stalinismus aus dem Jahre 1961 kanonisiert. Vgl. Jan Gerber, Art. »Lied der Partei«, in: Dan Diner (Hg.), Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur, Bd. 3, Stuttgart 2012, S. 515-520; Ralph Giordano, Die Partei hat immer recht, Köln 1961 (und öfter).

3 Karl W. Fricke, Opposition wächst. Ziviler Ungehorsam macht dem SED-Regime zu schaffen, in: Rheinischer Merkur, 8.10.1976; Hans-Peter Klausenitzer, Auswurf des Gewissens, in: Deutschland Archiv 10 (1977), S. 323f.; Karl Corino, Gespräch mit dem DDR-Autor Carl-Jacob Danziger, in: Deutsche Zeitung, 17.6.1977.

4 Hermann Kuhn, Bruch mit dem Kommunismus. Über autobiographische Schriften von Ex-Kommunisten im geteilten Deutschland, Münster 1990, S. 206.

5 Zu erwähnen ist indes auch, dass das Buchcover von »Kein Talent für Israel« eine Kopie des älteren Ausweises von Schwarz abbildete, der dessen hebräische Unterschrift enthielt.

6 Gabriele Spitzer, Der Nachlaß des Journalisten und Schriftstellers Joachim Chaim Schwarz. Eine Neuerwerbung für die Staatsbibliothek, in: Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz 29 (1992), S. 399-404.

7 Joachim Chaim Schwarz, Eins gleich Zwei. Autobiographischer Roman der letzten Jahre in Ostberlin. Unter dem Pseudonym Peter Pansen geschrieben, Berlin (Ost), ca. 1986, in: Nachlass Joachim Chaim Schwarz (im Folgenden: Nachlass), Nr. 346, Mp. 2, S. 7.

8 Ders., Das holzgeschnitzte Ich. Letzter autobiographischer Roman. Unter dem Pseudonym Carl-Jacob Danziger geschrieben, Berlin 1986–1991, in: Nachlass, Mp. 13, S. 6.

9 Corino, Gespräch (Anm. 3).

10 Der Historiker Jens Hoffmann hat Schwarz’ wiederkehrende Wendung zum Arbeitstitel für seine geplante Biographie über Schwarz gemacht.

11 Helga Wehner, »Ich vertrage keine Lügen«. Der jüdische Schriftsteller J.C. Schwarz – Erinnerung an einen Außenseiter, in: Berliner Zeitung, 28.4.1992.

12 Schwarz, Eins gleich Zwei (Anm. 7), S. 7.

13 Spitzer, Der Nachlaß (Anm. 6), S. 399.

14 Rudolf Hirsch, Patria Israel, Rudolstadt 1983, S. 8.

15 Vgl. hierzu auch die beiden Briefe Bergmanns an Schwarz vom 16. April und 11. Mai 1936, in: Nachlass, Mp. 485. Im zweiten Brief finden sich jene Zitate, die Schwarz später in seinen Roman mit aufgenommen hat.

16 Joachim Chaim Schwarz, Falscher Salut (unter dem Titel: Dayan Sommer), Druckfahne, 1947 (Nachlass, Mp. 10). Der Roman erschien 1955 zunächst im Selbstverlag des Verfassers, 1978 dann bei Krüger in Frankfurt a.M. und 1980 bei Ullstein.

17 Dan Diner, Israel in Palästina. Über Tausch und Gewalt im Vorderen Orient, Königstein/Ts. 1980.

18 Vgl. Adi Gordon, Der Orient. Exil der letzten Europäer, in: Gisela Dachs (Hg.), Jüdischer Almanach. Die Jeckes, Frankfurt a.M. 2005, S. 86-94; Yonatan Shilo-Dayan, On the Point of Return: Heute und Morgen and the German-speaking Left-wing Émigrés in Palestine, in: Bettina Bannasch/Michael Rupp (Hg.), Rückkehrerzählungen. Über die (Un-)Möglichkeit nach 1945 als Jude in Deutschland zu leben, Göttingen 2018, S. 35-56.

19 J.C. Schwarz an Ernst Loewy, 19.9.1950, Nachlass, Mp. 1081.

20 Vgl. hierzu den Briefwechsel der beiden in Schwarz’ Nachlass, Mp. 584 und 1002.

21 Erklärung zur Geschichte des Manuskripts, in: Nachlass, Mp. 10.

22 Zit. nach Karin Hartewig, Zurückgekehrt. Die Geschichte der jüdischen Kommunisten in der DDR, Köln 2000, S. 181.

23 Vgl. Johannes Pernkopf, Der 17. Juni 1953 in der Literatur der beiden deutschen Staaten, Stuttgart 1982, zu Schwarz: S. 159-163.

24 Joachim Chaim Schwarz, Sie blieb nicht allein. Aufzeichnungen aus einem Betrieb, Halle (Saale) 1955.

25 Zit. nach Hartewig, Zurückgekehrt (Anm. 22), S. 183; vgl. auch Kuhn, Bruch mit dem Kommunismus (Anm. 4), S. 202f.

27 J.C. Schwarz an Louis Fürnberg, 23.3.1957, Nachlass, Mp. 1002.

28 Hartewig, Zurückgekehrt (Anm. 22), S. 184.

29 Bericht des GI »Weinert« vom 17.7.1959, überreicht vom MfS, Bezirk Halle, an MfS in Berlin. BStU 14491/92, Bl. 19; hier zit. nach Hartewig, Zurückgekehrt (Anm. 22), S. 182.

30 Ebd., S. 185.

31 Joachim Chaim Schwarz, Die sechste Kolonne oder Der Henker will nicht hängen, Halle (Saale) 1963.

32 Joachim Chaim Schwarz an Sala [Russota], 12.10.1963, Nachlass, Mp. 1074.

33 Henryk M. Broder, Kein Talent für immer Rechthabende. Bittere Lebenserfahrungen des jüdischen Schriftstellers Carl-Jacob Danziger in Palästina/Israel und der DDR, in: Frankfurter Rundschau, 24.1.1981.

34 Schwarz, Eins gleich Zwei (Anm. 7), S. 2.

35 Ebd., S. 37, S. 39.

36 Schwarz, Das holzgeschnitzte Ich (Anm. 8), S. 161.

37 Broder, Kein Talent für immer Rechthabende (Anm. 33).

38 Für kritische Hinweise danke ich Helmut Peitsch, Elisabeth Gallas und den TeilnehmerInnen der beiden Workshops »The German Jewish Diaspora in the Global South – Emigrés from Germany in Latin America, India and Palestine/Israel«, die 2018 als Bestandteil der Kooperation zwischen der Hebräischen Universität Jerusalem und der Humboldt-Universität zu Berlin veranstaltet wurden und in deren Rahmen der Text erstmals diskutiert wurde.

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