Vorschau

Heft/Issue 3/2018 (erscheint im Dezember):

Flucht als Handlungszusammenhang
Flight and Migration: Actors, Actions, Contexts

hg. von/ed. by
Bettina Severin-Barboutie und Nikola Tietze

Flucht steht in einem umkämpften Handlungszusammenhang – an der Schnittstelle von Gewalt und Herrschaftsordnungen, von internationalen Rechtsnormen und nationalen Interessen, von Solidarität und existenzieller Bedrohung. Zugleich ist Flucht ein offener Prozess, geprägt durch das Spannungsverhältnis zwischen der »Kunst des Handelns« (Michel de Certeau) von Menschen auf der einen Seite und von Gemeinschaftsvorstellungen, Grenzregimen, bevölkerungspolitischer Kontrolle und Steuerung sowie ökonomischen und politischen Machtasymmetrien auf der anderen Seite. Flucht als Handlungszusammenhang zu untersuchen erfordert deshalb stets, beides im Blick zu haben – die unterschiedlichen Akteure selbst und die Bedingungen ihres Handelns. Die Beiträge des Themenhefts verfolgen dies in zweierlei Weise: Einige Autorinnen und Autoren liefern konkrete Fallbeispiele, indem sie Zugehörigkeitskategorien historisieren, Flüchtlingsrouten nachgehen, Lebensbedingungen, Handlungsoptionen und Anpassungsleistungen nach der Flucht untersuchen oder literarische Gegen-Welten vorstellen. Andere Beiträge nähern sich dem Thema stärker methodisch-theoretisch. Sie diskutieren akteurszentrierte Handlungskonzepte, fragen nach dem epistemologischen Potential von Selbstzeugnissen für die Flüchtlings- und Migrationsforschung oder diskutieren Erkenntnismöglichkeiten älterer sozialwissenschaftlicher Studien. In der Summe beleuchten die Beiträge daher nicht nur Handlungsformen in vorstrukturierten Herrschaftsordnungen bzw. -räumen sowie Wechselwirkungen zwischen beiden Ebenen. Sie interessieren sich zugleich für geeignete Konzepte und Quellen, mit denen Menschen vor, während und nach der Flucht als Akteure und Akteurinnen erforscht werden können.