Vorschau

Heft 3/2021: Männlichkeiten (erscheint im Frühjahr/Sommer 2022)
hg. von Cornelia Brink, Olmo Gölz und Nina Verheyen

Das Subjekt »Mann«, das in der Geschichte – und auch in der Geschichtsschreibung – lange Zeit als nicht weiter befragte Norm galt, lässt sich als Teil einer vielfältigen Geschlechterordnung untersuchen. Bei näherem Hinsehen hat es Aushandlungsprozesse um Männlichkeiten in der Vergangenheit immer wieder gegeben. In den letzten Jahren scheinen sie sich konflikthaft zugespitzt zu haben – aber womöglich ist dieser Eindruck das Resultat einer präsentistischen Verkürzung, die es aus zeitgeschichtlicher Perspektive gerade zu überwinden gilt. Historisch-empirische Fallstudien zu sich verändernden Praktiken, Repräsentationen und Vorstellungen von Männlichkeiten, verbunden mit der Frage nach den Gründen für weiterhin bemerkenswerte Beharrungskräfte älterer Muster, können in der aktuellen Lage jedenfalls aufschlussreich sein. Zeitgenössisch als Männer definierte Menschen interessieren hier als soziale und vergeschlechtlichte Wesen in sehr unterschiedlichen zeitlichen, räumlichen und gesellschaftlichen Kontexten. In den Beiträgen des Themenhefts richtet sich der Blick vor allem auf Gruppen von Männern, die nicht an der Spitze sozialer Hierarchien standen, sich aber auf jeweils hegemoniale Formen von Männlichkeit bezogen und damit, geradezu paradox, überkommene Muster perpetuierten: iranische Männer auf der Suche nach kultureller Authentizität in Abgrenzung von westlicher Hegemonie, muslimische Männer in einer sich als laizistisch verstehenden Türkei, im Zweiten Weltkrieg geschlagene deutsche Männer mit eigentlich vollkommen desavouierten Idealen, von Arbeitslosigkeit bedrohte britische Bergarbeiter in den 1970er-Jahren, obdachlose Männer in der Bundesrepublik Deutschland seit den 1980er-Jahren, an Aids erkrankte homosexuelle Männer in verschiedenen Ländern, schwarze Männer in einer rassistisch strukturierten nordamerikanischen Gesellschaft. Synchron wie diachron wird die Pluralität von Männlichkeitskonstruktionen in Diskursen und Alltagserfahrungen deutlich. Zugleich bezogen und beziehen sich diese immer wieder auf das »andere« Geschlecht – oder präziser: auf »andere« Geschlechter in der Mehrzahl. Männlichkeiten waren und sind auf vielfältige Weise in Bewegung: emotional, ökonomisch, soziokulturell und politisch. Einigen dieser multiplen »Gender Troubles« geht das Heft mit spezifisch zeitgeschichtlichen Perspektiven nach, um aktuelle Diskussionen zu bereichern und vielleicht auch zu irritieren.

Issue 3/2021: Masculinities (Spring/Summer 2022)
ed. by Cornelia Brink, Olmo Gölz and Nina Verheyen

The subject ›man‹, which in history – and also in historiography – was long regarded as a norm that was not questioned further, can be examined as part of a diverse gender configuration. On closer inspection, there have always been processes of negotiation around masculinities in the past. In recent years, they seem to have come to a conflictual head – but this impression might be the result of a presentist reduction that needs to be overcome from the perspective of contemporary history. Historical-empirical case studies on changing practices, representations and ideas of masculinities, combined with the question of the reasons for the still remarkable persistence of older patterns, can in any case be revealing in the current situation. People defined contemporarily as men are of interest here as social and gendered beings in very different temporal, spatial and social contexts. In the contributions to this special issue, the focus is primarily on groups of men who were not at the top of social hierarchies, but who referred to hegemonic forms of masculinity and thus, almost paradoxically, perpetuated traditional patterns: Iranian men in search of cultural authenticity in demarcation from Western hegemony, Muslim men in a Turkey that sees itself as secular, German men defeated in the Second World War with ideals that were actually completely disavowed, British miners threatened by unemployment in the 1970s, homeless men in the Federal Republic of Germany since the 1980s, homosexual men suffering from AIDS in various countries, black men in a racially structured North American society. Synchronously as well as diachronically, the plurality of constructions of masculinity in discourses and everyday experiences becomes clear. At the same time, these always referred and refer to the ›other‹ gender – or more precisely: to ›other‹ genders in the plural. Masculinities were and are in motion in many ways: emotionally, economically, socio-culturally and politically. The issue explores some of these multiple ›gender troubles‹ with specific contemporary historical perspectives in order to enrich and perhaps also irritate current discussions.

Heft 1/2022: Offenes Heft
Issue 1/2022: Open Issue