Editorial - 3/2020: Offenes Heft

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Zu diesem Heft

Anmerkungen

Fragen nach der Leistungsfähigkeit demokratischen Regierens, nach dem Vertrauen in demokratische Institutionen und deren Repräsentanten, nach der systemimmanenten Fähigkeit zur Selbstkorrektur und zum Handeln in unvorhergesehenen Situationen stellen sich gegenwärtig wieder mit besonderer Dringlichkeit. »Wer wird besser mit dem Virus fertig – totalitäre Staaten oder Demokratien?«, wollte Anfang 2021 ein Reportageteam der »ZEIT« herausfinden, das die Strategien und Praktiken der Pandemie-Bekämpfung in Deutschland und China, USA und Iran untersuchte.1 Die Antwort hängt sicher davon ab, wie man unterschiedliche Indikatoren gewichtet und welchen Zeithorizont der Betrachtung man wählt. Ebenso hängt sie davon ab, welchen Stellenwert man demokratischen Verfahren gerade bei akutem Entscheidungszwang einräumen will. Auch unabhängig von der Corona-Pandemie stehen demokratische Ordnungen, selbst diejenigen des »Westens« mit langer Tradition, verstärkt unter Legitimationsdruck, sind Anfeindungen ausgesetzt, werden verächtlich gemacht oder gar gewaltsam bekämpft. Vor diesem Hintergrund hat die Gerda Henkel Stiftung 2019 einen »Förderschwerpunkt Demokratie« ausgerufen, und verschiedene Berliner Forschungseinrichtungen haben 2020 das Exzellenzcluster »Contestations of the Liberal Script« eröffnet.2

Während Paul Nolte die Notwendigkeit und die möglichen Perspektiven einer global angelegten »Zeitgeschichte der Demokratie« in einem Aufsatz von 2013 noch recht ausführlich begründen musste,3 hat sich seither nicht nur in der politik- und sozialwissenschaftlichen Forschung, sondern auch in der Historiographie einiges getan. Erkenntnisreich sind solche Studien gerade dann, wenn sie an ältere Vorbilder einer »Zeitgeschichte als Demokratiewissenschaft«4 anknüpfen und einen Brückenschlag zwischen Politikwissenschaft und historischer Forschung versuchen. So fragt Philipp Müller im vorliegenden Heft mit Blick auf neuere Entwicklungen der spanischen Demokratie zugleich in allgemeinerer Absicht nach der »Fähigkeit, sozialen Protest in die parlamentarische Demokratie zu integrieren«. Der mittlerweile gängige Begriff des Populismus sei zur Erklärung von Erosionserscheinungen des politischen Systems nicht hinreichend: »Vielmehr geht die Einschätzung, Populismus trage zum Verfall der Demokratie bei, von den Voraussetzungen einer Phase parlamentarischer Parteiendemokratien aus, die heute nicht mehr gegeben sind.« Mit dem Verweis auf veränderte ökonomische und mediale Rahmenbedingungen demokratischen Regierens seit den 1980er-Jahren hebt Müller Faktoren hervor, die sich für den spanischen Fall exemplarisch zeigen lassen, aber nicht auf Spanien beschränkt sind.

Die ungarische Philosophin Ágnes Heller (1929–2019) hat kurz vor ihrem Tod einen zentralen Vorteil moderner liberaler Demokratien herausgestellt: »Man wird niemals das Ziel einer völlig gerechten Gesellschaft erreichen. Jedoch gibt es ein politisches System, in dem jeder das bestehende Verständnis von Gerechtigkeit anfechten kann.«5 Die Kämpfe um konkurrierende Vorstellungen von Gerechtigkeit und die sich wandelnden Versuche, Gerechtigkeit herbeizuführen oder zumindest zu fördern, durchziehen die Geschichte der Moderne und speziell auch die Zeitgeschichte. Wie Utopien eines »gerechten Handels« in der Bundesrepublik der 1970er- und 1980er-Jahre praktisch wirksam wurden, schildert Benjamin Möckel in diesem Heft anhand der »Dritte-Welt-Läden«, wobei er zum Vergleich auch Großbritannien einbezieht. Die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit, zwischen hehren Zielen und alltäglichen Mühen war oft groß, der Umsatz dagegen klein. Dennoch waren die frühen Formen eines »Alternativen Handels« historisch bedeutsam und folgenreich, insofern nun verstärkt nach der Herkunft von Lebensmitteln, Kleidung und anderen Konsumprodukten sowie nach der Verteilung der Erträge gefragt wurde.

Während Möckels Aufsatz den Titel »Postkolonialwaren« trägt, stellt Andreas Eckert in seinem Essay grundsätzlicher zur Diskussion, was es heißen kann, Zeitgeschichte »postkolonial« zu schreiben, wenn dies nicht bloß ein modisches Etikett sein soll. Eckert argumentiert eher vorsichtig, wenn er dafür plädiert, »die Ordnung des zeithistorischen Wissens behutsam zu rekonfigurieren«. Zu einer Öffnung der bisher dominanten Perspektiven gehöre es auch, Stimmen des zivilgesellschaftlichen Aktivismus stärker wahrzunehmen und ihre vor allem politisch motivierten Ziele als Impulse für neue Forschungsfragen aufzugreifen. Der Essay soll weitere Anstöße für diese sehr grundlegenden Debatten geben. Über Manuskripte, die den Nutzen postkolonialer Perspektiven und Deutungsangebote empirisch fundiert prüfen, würden wir uns für künftige Hefte sehr freuen. In der Rubrik »Quellen« der aktuellen Ausgabe schreiben Immanuel R. Harisch und Eric Burton über kollektive Tagebücher von »Freundschaftsbrigaden« der FDJ, die etwa in Kuba und Angola im Einsatz waren. So wird anschaulich, wie sich auch die Geschichte der DDR mit ihrem dezidiert »antiimperialistischen« Selbstverständnis als Teil einer postkolonialen Konstellation beschreiben und interpretieren lässt. Aufschlussreich ist nicht zuletzt, welche Aspekte in derartigen Dokumenten ausgeblendet blieben.

Die große Diskussion um Postkolonialismus, Rassismus und »postmigrantische« Perspektiven wird in der Bundesrepublik bislang weniger heftig geführt als in den USA, nimmt aber in der deutschsprachigen Geschichtswissenschaft und erst recht in der Geschichtspolitik erkennbar an Fahrt auf. Die beschlossene, allerdings noch nicht vollzogene Umbenennung der Berliner Mohrenstraße in Anton-Wilhelm-Amo-Straße (nach einem Philosophen und Juristen des 18. Jahrhunderts, der in Westafrika zur Welt kam und in Wittenberg promoviert wurde) ist nur eines von vielen Beispielen für solche Deutungskämpfe. Generell ist die Gestaltung des öffentlichen Raumes, etwa die Frage von Denkmalstürzen und Denkmalsetzungen, bekanntlich ein Handlungsfeld, in dem Historikerinnen und Historiker teils Mitakteure, teils Analysierende sind. Stephan Scholz betrachtet in diesem Heft Denkmäler als Quellen, die erst vor wenigen Jahren in deutschen Städten errichtet wurden, um auf die Fluchtbewegungen besonders seit 2015 hinzuweisen. Mitunter sind diese Denkmäler originale Boote, mit denen Menschen über das Mittelmeer geflüchtet sind und die in der Bundesrepublik temporär oder dauerhaft aufgestellt werden (siehe dazu auch das Coverfoto). Scholzʼ Interesse gilt der Frage, inwieweit sich aus solchen Erinnerungsformen ein durch Migrationserfahrungen gewandeltes Selbstverständnis der deutschen Gesellschaft ablesen lässt, und er beobachtet, dass die neuen Denkmäler zum Teil in eine Verbindung zu früheren Gedenkzeichen treten, die an die Vertreibung der Deutschen um 1945 erinnern. Ohne diese unterschiedlichen Vergangenheiten gleichzusetzen, entsteht so möglicherweise eine Multiperspektivität – die freilich auch Angriffen, ja Anschlägen ausgesetzt ist.

In einem vielbeachteten, subtilen Essay vom Sommer 2020 haben Stefanie Gänger und Jürgen Osterhammel unter dem Eindruck der Corona-Pandemie eine »Denkpause für Globalgeschichte« angeregt, die aber nicht als Pause vom, sondern zum Denken gemeint sein dürfte. So plädieren sie für eine »kritische Ideen- und Imaginationsgeschichte von Globalitätsvorstellungen«.6 Vor mittlerweile 25 Jahren veröffentlichte der US-amerikanische Politikwissenschaftler Samuel P. Huntington sein Buch »The Clash of Civilizations«, in dem er nach dem Ende der alten globalen Ordnung der Blockkonfrontation einen neuen Deutungsentwurf präsentierte. Nicht mehr politische Ideologien, sondern kulturelle und religiöse Identitäten galten ihm als maßgeblich. Dieses Buch steht beispielhaft für eine ganze Reihe von Publikationen der 1990er-Jahre, die vielen von uns heute noch recht nah erscheinen mögen, die zugleich aber schon so »historisch« geworden sind, dass sich eine Relektüre damaliger »Globalitätsvorstellungen« lohnt. Cora Schmidt-Ott stellt Huntingtons Buch in der Rubrik »Neu gelesen« vor und macht deutlich, dass sich daraus auch etwas über die Gesellschaftsgeschichte und innere Polarisierung der USA lernen lässt.

Der genannte Essay von Gänger und Osterhammel enthält noch einen anderen Hinweis, dem wir in diesem Heft nachgehen: »Grundsätzlich steht die Frage im Raum, wie weit man den Erwartungen eines außerfachlichen Publikums entgegenkommen möchte, das Fakten und Narrative, ›Lehren aus der Geschichte‹, Wesens­einsichten in Jahrtausende und immer auch Prognosen erwartet (nicht zufällig ist der wenig zukunftsscheue Yuval Noah Harari der berühmteste Historiker auf dem Planeten).«7 Christian Geulen ergründet in seinem Beitrag die Popularität Hararis und generell der »Big History« – ein Deutungsrahmen, bei dem die Zeitgeschichte höchstens noch als Randnotiz vorkommt, der seinerseits aber als markantes Phänomen der Zeitgeschichte verstanden werden kann, nämlich als »Ruf nach einer neuen Symbiose zwischen Mensch und Natur« (Geulen). Die Globalisierung ist für Harari unhintergehbar, doch er lässt völlig offen, wie konkurrierende Interessen und kulturelle Eigenheiten global zum Ausgleich gebracht werden könnten. In diesem Punkt trifft er sich mit Huntington, und das sollte zu denken geben.

Die Forderung nach Sensibilität für zeithistorische Phänomene und Begriffe muss auch für die eigene redaktionelle Praxis gelten. Ein Thema, das viele Zeitungen, Rundfunkanstalten und nicht zuletzt die Duden-Redaktion seit geraumer Zeit beschäftigt, ist die Frage eines geschlechtergerechten Sprechens und Schreibens. Alle, die Sprache in professionellen Zusammenhängen verwenden, kommen nicht umhin, sich zu dieser Frage zu verhalten, und jede Antwort ist in gewisser Weise ein Statement (oder kann zumindest so empfunden werden). Wie einige Leserinnen und Leser vielleicht schon bemerkt haben, folgen wir in dieser Zeitschrift bewusst keiner ganz einheitlichen Linie, da verschiedene Varianten (auch das generische Maskulinum) jeweils nachvollziehbare Gründe haben und es bei den Autor*innen ebenso wie bei den Leser_innen unterschiedliche Vorlieben gibt. Derzeit hat sich in der Sprachpraxis noch keine eindeutig dominante Form herausgebildet, und so schlägt sich auch in den von uns veröffentlichten Beiträgen eine Pluralität der Positionen nieder. Eine leichte Irritation, eine kleine Sperrigkeit bei der Lektüre mag durchaus produktiv sein. Zugleich kann die Frage des Genderns vielleicht dazu beitragen, noch genauer darauf zu achten, in welchen zeithistorischen Konstellationen die verschiedenen Geschlechter als Akteur:innen vorkamen und in welchem Maße dies inhaltlich wichtig ist. Das Ziel eines genderinklusiven Schreibens soll also nicht dazu führen, aus Gründen einer bestimmten sprachlichen Konvention historisch falsche Aussagen zu treffen, sondern es bleibt ein Mittel, dessen Angemessenheit jeweils zu prüfen ist – sprachbewusst, aber auch pragmatisch. Ob sich der »Deutsche Historikertag«, der diese Bezeichnung lange völlig zu Recht trug, eines Tages umbenennen wird – wie es der »Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands« schon vor etlichen Jahren getan hat –, wird sich zeigen.

Jan-Holger Kirsch für die Redaktion


Anmerkungen:

1 Ulrich Bahnsen u.a., Wie alles begann, in: ZEIT, 21.1.2021, S. 15-17.

2 <https://www.gerda-henkel-stiftung.de/demokratie>; <https://www.scripts-berlin.eu>. Die Henkel Stiftung fördert u.a. die von Jürgen Martschukat geleitete Forschungsgruppe »Contested Democracy. Gender, race und sex in der US-amerikanischen Zeitgeschichte« an der Universität Erfurt (ab 2021).

3 Paul Nolte, Jenseits des Westens? Überlegungen zu einer Zeitgeschichte der Demokratie, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 61 (2013), S. 275-301.

4 Winfried Süß, Zeitgeschichte als Demokratiewissenschaft. Karl Dietrich Bracher und das Ende der Weimarer Republik, in: Jürgen Danyel/Jan-Holger Kirsch/Martin Sabrow (Hg.), 50 Klassiker der Zeitgeschichte, Göttingen 2007, S. 47-51.

5 Ágnes Heller, Kein Weg führt nach Utopia, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.8.2019, S. 15.

6 Stefanie Gänger/Jürgen Osterhammel, Denkpause für Globalgeschichte, in: Merkur 74 (2020) H. 8, S. 79-86, hier S. 84.

7 Ebd., S. 86.

 

In this Issue

Notes

Questions about the performance of democratic governance, about trust in democratic institutions and their representatives, about the system’s inherent ability to self-correct and to respond to unforeseen situations are now once again being raised with particular urgency. ›Which copes better with the virus – totalitarian states or democracies?‹ was the question a reporting team from the weekly newspaper DIE ZEIT wanted to answer at the beginning of 2021, investigating the strategies and practices of pandemic control in Germany and China, the USA and Iran.1 The answer certainly depends on how one weights different indicators and which time horizon one chooses for consideration. It also depends on the value one wishes to place on democratic procedures, especially in the face of acute decision-making pressure. Quite apart from the Covid pandemic, democratic systems, even those of the ›West‹ with a long tradition, are increasingly undergoing a crisis of legitimacy, are exposed to hostility, are disparaged or even violently opposed. Against this backdrop, the Gerda Henkel Foundation announced a ›Funding Programme Democracy‹ in 2019, and various Berlin research institutions opened the Cluster of Excellence ›Contestations of the Liberal Script‹ in 2020.2

Paul Nolte had to justify the necessity and the possible prospects of a global ›contemporary history of democracy‹ at some length in a 2013 essay.3 A lot has happened since then, not only in political and social science research, but also in historiography. Such studies are particularly insightful when they pick up on older models of ›contemporary history as democracy studies‹4 and attempt to build a bridge between political science and historical research. In this issue, for example, Philipp Müller asks in a more general sense about the ›ability to integrate social protest into parliamentary democracy‹ in the light of recent developments in Spanish democracy. The now common concept of populism is not sufficient to explain the erosion of the political system: ›Rather, the view that populism contributes to the decline of democracy is based on the preconditions of a phase of parliamentary party democracies, which no longer exist today.‹ With reference to the changed economic and media conditions of democratic governance since the 1980s, Müller highlights factors that are exemplified in the Spanish case, but are not limited to Spain.

Shortly before her death, the Hungarian philosopher Ágnes Heller (1929–2019) pointed out a central advantage of modern liberal democracies: ›One will never achieve the goal of a completely just society. However, there is a political system in which anyone can challenge the existing understanding of justice.‹5 Struggles over competing conceptions of justice and the changing attempts to bring about or at least promote justice run through the history of modernity and specifically through contemporary history. In this issue, Benjamin Möckel describes how utopias of ›fair trade‹ were given practical expression in the Federal Republic of Germany in the 1970s and 1980s, using the ›Third World Shops‹ as an example, while also including Great Britain by way of comparison. The gap between aspiration and reality, between noble goals and everyday toil, was often large, while turnover was small. Nevertheless, the early forms of ›fair trade‹ were historically significant and momentous insofar as questions were now increasingly being asked about the origin of food, clothing and other consumer products, as well as about the distribution of the proceeds.

While Möckel’s article deals with ›Postcolonial Goods‹, Andreas Eckert’s essay discusses more fundamentally what it can mean to write contemporary history ›postcolonially‹ if this is not to be merely a fashionable label. Eckert argues somewhat cautiously when he advocates ›carefully reconfiguring the order of contemporary historical knowledge‹. Opening up the hitherto dominant perspectives, he argues, also involves taking greater notice of voices of civil society activism and taking up their primarily politically goals as inspiration for new research questions. The essay is intended to provide further impetus for these very fundamental debates. We would be pleased to receive manuscripts that empirically test the usefulness of postcolonial perspectives and interpretations for future issues of our journal. In the ›Sources‹ section of the current issue, Immanuel R. Harisch and Eric Burton write about collective diaries by FDJ (Free German Youth) ›friendship brigades‹ that were deployed in Cuba, Angola and elsewhere. This illustrates how the history of the GDR, with its decidedly ›anti-imperialist‹ self-image, can also be described and interpreted as part of a postcolonial constellation. Last but not least, it is revealing to note which aspects were left out of such documents.

The major discussion on postcolonialism, racism and ›postmigrant‹ perspectives has so far been less heated in Germany than in the US, but is noticeably gaining momentum in German-language historical scholarship and even more so in the politics of history. The renaming of Berlin’s Mohrenstraße to Anton-Wilhelm-Amo-Straße (after an 18th-century philosopher and jurist who was born in West Africa and received his doctorate at the University of Wittenberg), which has been decided but not yet implemented, is only one of many examples of such disputes over interpretation. In general, the shaping of public space, such as the question of toppling and erecting monuments, is known to be an arena in which historians are involved as both actors and analysts. In this issue, Stephan Scholz looks at monuments that have been erected in German cities in recent years to draw attention to the movements of refugees, especially since 2015. Some of these are the original boats in which people fled across the Mediterranean and which have been installed as monuments in Germany on a temporary or permanent basis (the cover photo shows an example of one such temporary monument). Scholz is interested in the extent to which such forms of remembrance reflect a self-image of German society altered by experiences of migration, and he observes that some of the new monuments enter into a dialogue with earlier memorials commemorating the expulsion of Germans around 1945. Without equating these different pasts, this may give rise to multiperspectivity – which admittedly is also subject to assailment and even assault.

In a well-received and nuanced essay from the summer of 2020 written in the context of the Covid pandemic, Stefanie Gänger and Jürgen Osterhammel suggested a ›pause for thought for global history‹, which, however, should not be understood as taking a break from, but rather for thinking. They advocate a ›critical history of ideas and imagination concerning concepts of globality‹.6 Twenty-five years ago, the American political scientist Samuel P. Huntington published his book The Clash of Civilizations, in which he presented a new interpretive framework after the end of the old global order of bloc confrontation. In his view, it was no longer political ideologies but rather cultural and religious identities that were decisive. This book is typical of a whole series of publications from the 1990s that may still seem quite close to many of us today, but which have at the same time become so ›historical‹ that a re-reading of ›concepts of globality‹ from that time is worthwhile. Cora Schmidt-Ott introduces Huntington’s book in the ›Literature Revisited‹ section and makes it clear that it has also something to teach us about the social history and internal polarisation of the USA.

The aforementioned essay by Gänger and Osterhammel contains another observation that we explore in this issue: ›Basically, the question is how far one wants to go to meet the expectations of a non-specialist audience that expects facts and narratives, »lessons from history«, insights into the essence of millennia and always also predictions (it is no coincidence that Yuval Noah Harari, who is not very shy about the future, is the most famous historian on the planet).‹7 In his contribution, Christian Geulen explores Harari’s popularity and that of ›Big History‹ in general – an interpretive framework in which contemporary history appears at most as a marginal note, but which can in turn be understood as a striking phenomenon of contemporary history, namely as a ›call for a new symbiosis between man and nature‹ (Geulen). For Harari, globalisation is inescapable, but he leaves it completely open as to how competing interests and cultural idiosyncrasies could be brought into balance globally. On this point he is in agreement with Huntington, and that should give pause for thought.

The demand for sensitivity to contemporary historical phenomena and terms must also apply to one’s own editorial practice. An issue that has preoccupied many newspapers, broadcasters and not least the Duden editorial team for some time is the question of gender-appropriate language in oral and written German. No one who uses language in a professional context can avoid taking a position on this question, and every response is in some way a statement (or at least can be perceived as such). As some readers may have noticed, we deliberately do not follow an entirely uniform line in this journal, as different variants (including the generic masculine) each have certain merits and limitations and there are different preferences among authors as well as readers. At present, no clearly dominant form has emerged in linguistic practice, and so a plurality of positions is also reflected in the German contributions we publish. A slight irritation, a little unwieldiness in the reading may well be productive. At the same time, the question of gendering can perhaps encourage us to pay closer attention to the historical constellations in which the different genders appeared as actors and the extent to which this is important in terms of content. The goal of gender-inclusive writing should therefore not result in historically incorrect statements for the sake of a particular linguistic convention; rather, its appropriateness must be examined in each case – in a way that is linguistically mindful, but also pragmatic. Whether the Deutscher Historikertag (Convention of German Historians), which for a long time aptly bore this title, will one day change its name – as the Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (Association of German Historians) did several years ago – remains to be seen.

Jan-Holger Kirsch for the editorial team


Notes:

1 Ulrich Bahnsen et al., Wie alles begann, in: ZEIT, 21 January 2021, pp. 15-17.

2 <https://www.gerda-henkel-stiftung.de/en/democracy>; <https://www.scripts-berlin.eu>. The Henkel Foundation supports projects including the research group led by Jürgen Martschukat ›Contested Democracy. Gender, race and sex in US-American contemporary history‹ at the University of Erfurt (from 2021).

3 Paul Nolte, Jenseits des Westens? Überlegungen zu einer Zeitgeschichte der Demokratie, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 61 (2013), pp. 275-301.

4 Winfried Süß, Zeitgeschichte als Demokratiewissenschaft. Karl Dietrich Bracher und das Ende der Weimarer Republik, in: Jürgen Danyel/Jan-Holger Kirsch/Martin Sabrow (eds), 50 Klassiker der Zeitgeschichte, Göttingen 2007, pp. 47-51.

5 Ágnes Heller, Kein Weg führt nach Utopia, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19 August 2019, p. 15.

6 Stefanie Gänger/Jürgen Osterhammel, Denkpause für Globalgeschichte, in: Merkur 74 (2020) issue 8, pp. 79-86, here p. 84.

7 Ibid., p. 86.